Es ist Modenschau. Paul Grosz, Inhaber eines Pelzgeschäfts, präsentiert Mäntel "aus fernen Ländern und aus eigener Produktion". Seit über vierzig Jahren führt der Kürschnermeister seinen Betrieb im 4.

Wiener Gemeindebezirk. Die Pelzwerkstatt seines Vaters Leopold wurde 1938 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Ein Nachbar beanspruchte sofort die "Bassena"-Wohnung der Familie Grosz: Zimmer, Küche und Kabinett, Wasser am Gang. Das Haus wurde "judenfrei" gemacht. Paul war dreizehn Jahre alt.

Heute ist der inzwischen 71jährige eines der angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Österreichs. Sein Berufstitel ist Hofrat, und er trägt, wie er sagt, "zwei Hüte": den des Handwerkers und Geschäftsmannes und den des Präsidenten des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs. Er ist der Mann, der für die Juden in Österreich spricht, der sie menschlich berät und politisch vertritt. Die jüdischen Gemeinden in Österreich verzeichnen 8000 Mitglieder - rund 8000 weitere österreichische Juden sind "nicht eingetragen". Nach dem Ersten Weltkrieg lebten insgesamt 200 000 Juden in Österreich.

In diesen Wochen geht in Wien eine unendliche, unschöne Geschichte vorläufig zu Ende rund 8000 Kunstwerke und Objekte, die den Juden in Österreich von den Nazis geraubt wurden, werden am 29. und 30. Oktober durch das Auktionshaus Christie's in der "Mauerbach Auktion" versteigert. Und es war Paul Grosz, der die Verhandlungen über diese Auktion mit Mitgliedern der österreichischen Bundesregierung zu einem Abschluß geführt und so dafür gesorgt hat, daß der Jahrzehnte unter Verschluß gehaltene "Schatz von Mauerbach" nun öffentlich versteigert wird. "Es ist erbloses Gut", sagt der Präsident, "denn nicht nur die Besitzer, sondern meist auch deren Erben wurden umgebracht und ausgerottet."

Unter den Hammer von Christie's kommen im Österreichischen Museum für Angewandte Kunst 878 Losnummern: Gemälde, Münzen, Textilien, Skulpturen, Keramik und Glas. Den Höchstschätzwert von 110 000 Dollar erreicht eine "Muttergottes mit Kind" von Pietro di Francesco degli Orioli aus dem 15. Jahrhundert. Eine frühhellenistische Marmorbüste wird auf bis 74 000 Dollar geschätzt. Rudolf von Alt, mit mehreren kostbaren Capricci und der Tuschzeichnung "Haus des Lois Gerl in Salzburg" vertreten, ist eine seltsame, aber typische Zierde des Katalogs der Beutekunst der Nationalsozialisten. Der Großteil des Auktionsangebotes nämlich stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Viel bürgerliches Genre, das Adolf Hitler besonders schätzte.

Vor allem mit diesen Werken wollte er sein Museum schmücken, das unter der Bezeichnung "Führerauftrag Linz" lief. Es wurde nie gebaut. Wenig Anklang fand bei ihm bekanntlich Kunst des 20.