Ob nun männliches Vorurteil oder Skepsis gegen einen Newcomer - die Nachricht, daß Marjorie Scardino den Spitzenjob bei Pearson übernimmt, ließ den Aktienkurs des Konzerns gleich nach unten purzeln. Die Börse reagierte, als habe man in Großbritannien trotz Eiserner Lady und Queen noch nie etwas von weiblichen Führungskräften gehört. In der City weist man den Verdacht weit von sich, man traue einer Frau die schwierige Aufgabe nicht zu. Viele stört, daß es sich bei der 49jährigen Texanerin um ein Eigengewächs des Konzerns handelt. Zwölf Jahre lang hat die energische, silberblonde Managerin den Economist geleitet. Mit großem Erfolg. Trotzdem - die Skeptiker hätten einen "frischen Besen" von außen vorgezogen.

Pearson gilt als problematischer Gemischtwarenladen, in dem dringend aufgeräumt werden muß. Macht es Sinn, in London finanzielle Daten zu verkaufen, während man in Amerika Schulbücher für Kinder vertreibt?

Muß ein Konzern mit massiven Fernsehinteressen und einer reichen Palette von Printmedien, etwa Financial Times, Les Echos und Penguin Books, unbedingt Vergnügungsparks, Madame Tussaud und eine Handelsbank besitzen? Zuviel Stückwerk, sagen Kritiker und verweisen auf die unbefriedigende Gewinnlage.

Marjorie Scardino dürfte dem zustimmen. Aber sie ist zu klug, um sich zwei Monate vor ihrem Antritt in der Führungsetage in die Karten blicken zu lassen. Sie habe "keine strategischen Vorurteile", sagt sie und gibt zu erkennen, daß sie willens ist, auch heilige Kühe zu schlachten. Die sie kennen, zweifeln nicht eine Sekunde daran, daß sie sehr genau weiß, wohin die Reise geht. Beim Economist nennt man sie bewundernd a tough cookie, eine harte Nuß.

Was aber wird der Konzern, dessen Wert man auf fünf bis sechs Milliarden Pfund beziffert, abstoßen? Zumindest Rupert Murdoch hat da ganz klare Vorstellungen. Sein Satellitenfernsehen BSkyB ist offenkundig dabei, Pearson-Aktien aufzukaufen. Mit dem gezielt ausgestreuten Gerücht, ein Angebot zur Übernahme stehe unmittelbar bevor, will man den Konzern in der schwierigen Interregnum-Phase ein bißchen herumschubsen. Das Motiv: Es geht Murdoch nicht darum, das gesamte Konglomerat zu erwerben. Er will Pearson lediglich die beachtlichen Fernsehinteressen abluchsen. BSkyB braucht für die geplanten 200 digitalen Fernsehkanäle dringend Software, sprich Programme. Die hat Pearson zu bieten, mit Thames TV und Grundy Worldwide, die höchst populäre TV-Serien produzieren. Die neue Pearson-Chefin geht also bewegten Zeiten entgegen. Das Scharmützel mit Murdoch könnte zu ihrer Feuertaufe werden. Derweil strebt der Kurs von Pearson einem neuen Höchststand entgegen.