Geschäftige Anwälte kommen und gehen, tuscheln auf den Fluren im Justizpalast der südfranzösischen Hafenstadt Toulon. Der Prozeß, der hier in dieser Woche begonnen hat, erregt landesweit Aufmerksamkeit.

Schon allein deshalb, weil auch die Unterwelt bestens vertreten sein wird, und zwar im Zeugenstand ebenso wie auf der Anklagebank.

Von Waffen der Marken Magnum und Smith & Wesson ist die Rede, von Motorrädern, von einem schwarzen Peugeot 404, von Schweizer Bankkonten und von einem Computer. Saftige Anklagedossiers sollen vorbereitet worden sein. Doch etliche Vorgeladene leiden, soviel steht jetzt schon fest, unter schlechtem Gedächtnis. "Hier stinkt es", meldet sich einer der Anwälte zu Wort, "und es stinkt bis nach Paris." Und ein Richter diktiert einem Journalisten in den Block, natürlich anonym: "Hier handelt es sich um eine Staatsaffäre.

Am besten ließe man die Finger davon."

Was geschah am 25. Februar 1994? Ein Freitagabend kurz nach acht.

Tatort: ein Hügelzug mit Namen "Berg der Vögel", unweit der kleinen Hafenstadt Hyères. Yann Piat, 44 Jahre alt und Abgeordnete der Nationalversammlung, befindet sich mit ihrem Renault Clio auf dem Heimweg. Aus dem Dunkel nähert sich plötzlich eine 750er Yamaha mit zwei Männern. Sofort feuert einer von ihnen drei Salven auf den Renault ab. Yann Piat ist auf der Stelle tot, ihr Fahrer schwer verletzt. Als die Polizei Minuten später am Tatort aufkreuzt, sind die Mörder über alle Berge. Das Motorrad, kurz zuvor gestohlen, findet sich später verkohlt im Straßengraben.

Weil eine Serviererin in der "Macama"-Bar im Hafen von Hyères plaudert, gelangen die Fahnder auf die Spur von Marco Di Caro, bekannt als Mann fürs Grobe. Der beschuldigt seinerseits einen Komplizen, Lucien Ferri. Beide zusammen wiederum verweisen auf Gérard Finale, den Besitzer des "Macama": Er soll ihr Auftraggeber gewesen sein. Angeblich war er erbost, weil die Abgeordnete Yann Piat die Sperrstunde für Nachtlokale vorverlegen wollte. Diesen drei Kumpanen wird jetzt der Prozeß gemacht.