Wenn Helmut Werner ein Lebenskünstler wäre, hätte er in diesen Tagen die beste Gelegenheit, sich mit einer Abfindung in Millionenhöhe ehrenvoll in den Ruhestand zurückzuziehen und - beispielsweise - "ein Auto zu nehmen und drei Monate lang quer durch Amerika zu fahren".

Doch solche Wunschträume des sechzigjährigen Chefs von Mercedes-Benz müssen noch hintanstehen. Werner ist kein Bonvivant, sondern ein Spitzenmanager mit viel Kampfgeist. "Ich habe mich nie wohl gefühlt", gesteht er, "wenn ich nicht kämpfen konnte."

Um Werners Innenleben kann es derzeit also nur bestens bestellt sein - so viel Druck wie im Moment mußte er sich noch nie erwehren.

Es geht in einem Machtpoker um alles: um seine Position ("Ich habe den besten Job der Welt") und um das Überleben seines Unternehmens, des - wieder - profitabelsten Autoherstellers in Europa. Jürgen Schrempp, Chef der Konzern-Obergesellschaft Daimler-Benz, will nämlich Werners Job ersatzlos streichen, sämtliche Vorstandsposten seiner Kollegen wegrationalisieren und das ganze Unternehmen Mercedes im Laufe des kommenden Jahres von der Bildfläche verschwinden lassen.

Die Autos mit dem Stern sollen dann als Produkte der Konzernmutter Daimler-Benz gebaut und verkauft werden. Ganz so wie früher, bevor Schrempp-Vorgänger Edzard Reuter den ältesten Automobilproduzenten der Welt auf eine Irrfahrt schickte, um seine Vision eines integrierten Technologiekonzerns zu verwirklichen.

Schrempps Plan, den umsatzstärksten Industriekonzern Deutschlands auch an der Spitze schlank und schnell zu machen, hat viel für sich. Daimler-Benz ist immer noch so organisiert, wie es Reuter - damals beraten von McKinsey-Chef Herbert Henzler - für optimal hielt: Neben Mercedes-Benz haben auch die anderen Töchter, die Dienstleistungsgruppe Debis und die Airbus- und Raumfahrtgesellschaft Dasa eigene Vorstände, Aufsichtsräte und umfangreiche Stabsabteilungen.

Nach dem Aufräumen in Reuters Trümmerhaufen, nach dem Ende von AEG, der Trennung von Fokker und Teilen Dorniers ist es nur konsequent, auch organisatorisch das Rad zurückzudrehen und die überflüssig gewordenen Hierarchieebenen zu schleifen.