Am Anfang stand das Wort des Kanzlers: "Wenn ich dem Bürger jetzt vor dieser Wahl (gemeint war die Bundestagswahl im Dezember 1990) sage: Wir machen keine Steuererhöhungen im Zusammenhang mit der deutschen Einheit, dann machen wir keine." Nicht einmal zwei Monate nach der Wahl schnürte das Bundeskabinett dann ein umfangreiches Steuererhöhungspaket. Zum erstenmal dabei: eine Ergänzungsabgabe mit dem schönen Titel "Solidaritätszuschlag" in Höhe von 7,5 Prozent auf die Lohn- und Einkommensteuer, befristet für die Zeit vom 1. Juli 1991 bis zum 30. Juni 1992.

Als die Frist ablief, wurde zum Ausgleich die Mehrwertsteuer angehoben - unbefristet. Weil aber die Finanznöte des Staates wuchsen, wurden weitere Steuern erhöht und seit dem 1. Januar 1995 auch wieder der Solidarzuschlag kassiert. Dieses Mal wurde aber kein Termin für das Auslaufen festgelegt, obwohl die FDP verlangte, die Abgabe innerhalb von drei Jahren wieder abzuschaffen. Anfang dieses Jahres - knapp zwei Monate vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein - beschloß die Koalition auf Drängen der Freien Demokraten, den Zuschlag zum 1. Juli 1997 von 7,5 auf 5,5 Prozent zu senken. Doch dieser Beschluß wurde in der vergangenen Woche wieder kassiert, und der Staat kassiert weiter in voller Höhe: 1997 rund dreißig Milliarden Mark.