Der "Standort Deutschland" rüstet sich für die Zukunft. Mit gutem Beispiel voran geht dabei das Forschungszentrum Karlsruhe Technik und Umwelt. Das ehemalige Kernforschungszentrum hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt und stellt seine Atomtechnik gleich ins Museum. Der Eigenbaureaktor FR 2 war in Karlsruhe jahrelang das Herzstück der Forschung, doch seit fünfzehn Jahren herrscht Stillstand unter der Stahlkuppel. Da für den Abriß des Schwerwasserreaktors das Geld fehlt, machen die Karlsruher aus der Not eine Tugend und widmen die Vergangenheit zur Zukunft um.

Künftig sollen Besucher in den verwaisten Atombau strömen. Im Museum herrscht aus Sicherheitsgründen leichter Unterdruck. Eine Betonwand und ein gasdichter Stahlmantel schützen vor der Strahlung. Wie die "Badischen Neuesten Nachrichten" berichten, werden hier "Meilensteine" aus besseren Tagen zu besichtigen sein. Atomreaktoren zu Technikdenkmälern.

"Die Werke der Alten sind der Nordstern für jedes künstlerische oder literarische Streben. Geht der euch unter, so seid ihr verloren!" mahnte einst Schopenhauer. Jetzt findet der Philosoph Gehör. Auch das Versuchsatomkraftwerk Kahl am Main, das derzeit in Einzelteile zerlegt wird, soll der Nachwelt erhalten werden wenigstens teilweise. So hat an der Notkühltafel aus der verwaisten Kommandozentrale bereits ein besorgter Nachlaßverwalter notiert: "Reserviert für Deutsches Museum München". Wenn die Gegenwart der Atomkraft in Deutschland schon nicht rosig aussieht, so soll sie wenigstens im Museum überleben.

Die schönste Blüte sprießt freilich aus den nuklearen Trümmern im niederrheinischen Kalkar. Daß der schnelle Brüter zur größten Atomruine der Republik werden würde, mag mancher ja gehofft haben. Daß jedoch im Freizeitpark "Kernwasser Wunderland" statt Brennstäben künftig Erholungssuchende im Wasserbecken abklingen sollen, dürfte selbst die Phantasien hartgesottener Kernkraftgegner übersteigen.

Meist ist das Ende jedoch erschütternd: Häufig zertrümmert die Abrißbirne den Fortschritt von gestern, wie in Gundremmingen. Doch auch hier finden sich noch zukunftsträchtige Aspekte. Immerhin sei der Gundremminger Block A "das leistungsstärkste derzeit im Abbau befindliche Kernkraftwerk der Welt", wie es in einem bemerkenswerten Superlativ auf einer Videokassette über den angejahrten Reaktor heißt. Die Zukunft der deutschen Nukleartechnik liegt in der Demontage - oder in der musealen Umrüstung.

Wahrlich eine friedliche Nutzung der Atomenergie. Warum nicht gleich auch für das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich? Wegen unendlicher juristischer Querelen brachte der Reaktor am Rheinufer seit acht Jahren keine Glühbirne mehr zum Leuchten. Unverdrossen aber versehen 470 Mitarbeiter ihren Dienst in dem kalten Kraftwerk, dem Betreiber RWE Energie verursacht der Leerlauf so alljährlich Kosten von rund 120 Millionen Mark. Ob in dem Reaktor jemals wieder das nukleare Feuer lodern wird, erscheint fraglich. Realistischer wäre es, die Bevölkerung in die Atomfeste zu laden. Schulklassen und Kegelvereine könnten sich in einzigartiger Sicherheit von der Unbedenklichkeit der Atomenergie überzeugen.