Eine typische Haltung: die rechte Hand am Ohr, den Kopf leicht gebeugt, mit der anderen Hand heftig gestikulierend. Ohne Frage, ein Handy-Besitzer. Keine ungewöhnliche Spezies mehr auf den Straßen und Plätzen im Lande. Über fünf Millionen Menschen zählen die Mobilfunkbetreiber bereits zu ihren Kunden. Und es sollen noch sehr viel mehr werden.

Für einen weiteren Push, so hoffen die Anbieter, dürften stattliche Tarifsenkungen sorgen, mit denen sie in der vergangenen Woche der Reihe nach an die Öffentlichkeit gingen. Bislang hatte der ungewöhnliche Boom nämlich vor allem einen Grund: Die Geräte werden verramscht. Von einem echten Markt kann kaum die Rede sein.

Dabei war der Düsseldorfer Konzern Mannesmann mit dem ersten privaten Mobilfunknetz (D2) im Jahre 1992 gestartet, um dem Exmonopolisten Telekom so richtig ins Geschäft zu funken. Allerdings: Gemessen an richtigem Wettbewerb, blieben die Tarife ungewöhnlich stabil; und das auf hohem Niveau. Nur die Gerätepreise fielen in einem atemberaubenden Tempo. Ein irrwitziger Mechanismus sorgt bei jeder neuen Generation von Handys für Preise, die oft nicht einmal einer Anerkennungsgebühr für die äußerst komplexe Technik gleichkommen. Allein das lockte massenhaft Kunden in die Netze.

Dann aber geschah etwas völlig Überraschendes. Ausgerechnet T-Mobil (D1), die Tochter des staatlichen Fernmelderiesen Telekom, preschte jüngst mit einer drastischen Tarifsenkung vor und setzte damit erstmals einen Preiskampf in Gang. Aber nicht nur das. Ziel von T-Mobil ist vor allem, sich aus der beispiellosen Kundenjagd per Kopfprämien zu verabschieden. T-Mobil-Chef Lothar Hunsel: "Wir wollen ein Modell, das die Verhältnisse radikal umkrempeln wird."

Prompt reagierte erst Mannesmann, dann folgte e-plus , der dritte und kleinste Netzbetreiber. Er startete Mitte 1994 und hat noch Funklöcher in seiner Infrastruktur. Etwa neunzig Prozent der Bevölkerung könnte bis Ende des Jahres versorgt werden, verspricht das Unternehmen. Jetzt ziehen auch die Service-Provider nach. Diese neuartigen Telephongesellschaften haben keine eigenen Netze gebaut, sie mieten Telephonzeiten, sind also nur eine Art Großhändler.

Um wieviel günstiger die neuen Angebote sind, bleibt für die Verbraucher freilich nach wie vor ein Rechenexempel. Leicht macht es ihm die Branche auch künftig nicht. Auf den ersten Blick klar sind nur die unterschiedlichen Grundgebühren der neuen Tarife. T-Mobil verlangt künftig 29 Mark, Mannesmann 24,95 Mark und e-plus nur noch 19,95 Mark. Und alle verpflichten ihre Kunden auf eine Mindestlaufzeit der Verträge von zwei Jahren. Damit endet allerdings schon die Übersichtlichkeit. Beim Vergleich der übrigen Konditionen helfen nur noch Computerprogramme.