Wie stellt sich die Welt eine chinesische Stachelbeere vor? Klein und süßsauer sicherlich. Pelzig vielleicht. Gelb mit Mittelscheitel möglicherweise, wie die chinesische Taschenpflaume, jenes rare Obst, das all den treuen Lesern der ZEIT im Internet längst ein Begriff ist.

Die chinesische Stachelbeere ist nur wenigen Menschen ein Begriff. Die meisten von ihnen wohnen in Neuseeland in trauter Gemeinschaft mit puscheligen Vögeln, die nicht fliegen können, und mit besagten Beeren, die im übrigen etwa dieselbe Größe, Konsistenz und Oberfläche wie verrottende Tennisbälle besitzen. Die Vögel heißen Kiwis, und unter diesem Namen sind auch die Menschen und mehr noch diese Beeren weltweit bekannt geworden.

Deren Prominenz liegt ausschließlich am Namen. Es zeigte sich nämlich, daß selbst der Nichtneuseeländer in der Lage ist, palettenweise chinesische Stachelbeeren zu kaufen und zu verzehren man mußte ihm nur vorher weismachen, daß es sich dabei um Kiwis handelt.

Ohne diese Neugeburt als Kiwi wäre die unansehnliche Frucht wohl nie zum Symbolobst der ausgehenden achtziger Jahre geworden. Mehr noch als die zeitgemäßen inneren Werte - verschwindend wenig Kalorien und unsinnig viel Vitamin C - war es der Zaubername, der die kulinarischen Pioniere damals bei der ersten Kiwi die seltsam tierisch anmutende Pelzhülse vergessen ließ und sie heranführte an das Innere, das die ganze Grünheit Neuseelands in seinem safttropfenden Mark zu bergen scheint. Kiwi. Ein Wort so kernig wie das leise Knirschen der schwarzen Samenkörnchen beim Biß und so herzhaft wie das Gelächter über die ersten Begegnungen zwischen dieser Frucht und dem Ostdeutschen ("Sind das Gurken da auf dem Kuchen?").

Kiwis können überall auf der Welt wachsen, und das tun sie mittlerweile auch, sogar in England. Während jedoch hier in Europa alles schläft, wachen dort unten in Neuseeland kregele Obstbauern und hecken unerreichte Namen aus für ihre Früchte.

Wer lange aufbleibt, kann ihre neueste Idee erlauschen: Von nächstem Jahr an, liebe Kundinnen und Kunden, wird es keine Kiwis aus Neuseeland mehr geben. Die Frucht, vormals chinesische Stachelbeere, zuweilen auch Affenpfirsich und schließlich Kiwi genannt, erhält einen weiteren Namen. Die Londoner Markenagentur Interbrand hat ihn erfunden, nach allerlei Brainstorming und Befragungen. Die Kiwi heißt ab nächstem Frühling Zespri. So, wie man es spricht: Zespri.