Wohin man diesen Sommer auch fuhr, flog oder segelte, "Macarena" war schon da. Jetzt hat das Duo Los Del Rio sogar den 39 Jahre alten Rekord von Elvis Presley gebrochen: Elf Wochen lange hielt sich "Don't Be Cruel/Hound Dog" auf Platz eins der amerikanischen Single-Hitparade. Los Del Rio befinden sich nun in der zwölften Woche und haben mit dem King of Rock 'n' Roll gleichgezogen. In den USA gibt es derzeit - von der Bar-Mizwa-Party bis zum großen Baseballspiel - kaum eine "Macarena"-freie Menschenansammlung.

Los Del Rio sind Antonio Romero Monge und Rafael Ruiz, zwei 47jährige Flamencosänger aus einem andalusischen Dorf in der Nähe von Sevilla. Die unwiderstehliche Melodie schrieben die beiden bereits vor drei Jahren, inspiriert durch eine Tänzerin namens Macarena, die sie bei einem Gastspiel in Venezuela erlebt hatten.

Zuerst eroberte der "Macarena" Spanien und Südamerika. Es folgten Mexiko und die US-amerikanischen Latino-Radiostationen. Dort hörten die Bayside Boys, ein DJ-Produzententeam aus Florida, die folkloristische Tanznummer. Sie unterlegten den geklatschten Rhythmus des Originals mit elektronischen House-Beats, fügten noch einige lebenslustige, englisch rappende Frauenstimmen hinzu und verarbeiteten das Zitat "I'm not trying to seduce you" aus dem Film "Die Reifeprüfung". Diese Version machte dann den "Macarena" in den USA tauglich für Clubs und Hitparaden und schaffte auch den Durchbruch in Deutschland.

Als erfolgsfördernd erwies sich das Video vom Macarena-Tanz: rechter Arm nach vorne, linker Arm nach vorne, rechte Hand auf linken Arm und umgekehrt. Danach die rechte und die linke Hand in den Nacken, dann die rechte und linke Hand auf den Hintern, dreimal mit den Hüften gewackelt, eine Drehung zur Seite, und alles beginnt von vorne.

Die Plattenfirma schickte Vortänzer zu großen Sportveranstaltungen und in Einkaufsstraßen. Es hat geholfen: Ex-Elvis-Schwiegersohn Michael Jackson wurde zum "Macarena"-Fan und auch US-Präsident Bill Clinton. Sogar der gesundheitlich angeschlagene Papst soll versucht haben, "Macarena" zu tanzen.

Seit drei Jahren das gleiche Lied. Kommt ihnen der "Macarena" nicht manchmal zu den Ohren raus? "Ganz und gar nicht. Ich singe ,Macarena' sogar für mich alleine", erzählt Monge, und Ruiz fügt hinzu: "Der ,Macarena' ist unser Kind, und von seinem Kind bekommt man nie genug. Erst recht nicht, wenn es so gute Leistungen bringt."