"Den Zwanzig- bis Dreißigjährigen muß man fairerweise sagen: Wenn sich die Altersstruktur der Bevölkerung so weiterentwickelt, . . . dann müssen sie ergänzend zur gesetzlichen Rentenversicherung mehr Eigenvorsorge für das Alter betreiben."

Helmut Kohl

Träge fließt die Neiße, die Oktobersonne blinzelt, über der Grenzbrücke liegt noch ein Hauch von Nebel. Görlitz am vergangenen Wochenende: Frohgemut passieren Dutzende zumeist ältere Menschen den deutsch-polnischen Zoll. Ob Rentnerin oder Pensionär, gen Westen schleppen alle Tüten, bisweilen koffergroß. Die Generation der Alten - im Konsum vereint. Ein friedliches Bild.

Einen Steinwurf entfernt, in der Stadthalle des niederschlesischen Zentrums, sitzen die Jungen, genauer die Delegierten der Jungen Union (JU). Hier, direkt an der deutsch-polnischen Grenze, grübelt der Nachwuchs von Christdemokraten und Christsozialen über die Zukunft. Vergessen die Nöte der Gegenwart, ausgeklammert der Einheitsfrust, der Lehrstellenmangel oder die Jugendkriminalität. Nein, den Deutschlandtag der JU erregt vor allem ein Thema: die Rente.

"Deutschlands Rentensystem steuert in eine schwere Krise", resümiert der wiedergewählte JU-Chef Klaus Escher. Seine Stellvertreterin Hildegard Müller attestiert: "Jung und Alt müssen endlich über einen neuen Generationenvertrag verhandeln, die bisherige Geschäftsgrundlage ist weggefallen."

Wer glaubt, dies seien nur Parolen jugendlicher Politikfunktionäre, die auch einmal in der Zeitung stehen wollen, der irrt. Im Lager der Jungen brodelt es. Der 29jährige Andreas Nick, ein promovierter Banker und Mitglied der JU-Gesandtschaft Rheinland-Pfalz, bringt die Stimmung auf den Punkt: "Der Blüm gibt sich doch mit seinen Durchhalteparolen der Lächerlichkeit preis."