ROM. - Die unsichere Welternährungslage, das anhaltende Bevölkerungswachstum von jährlich rund neunzig Millionen Menschen und der Druck auf die begrenzten natürlichen Ressourcen verlangen klare Entscheidungen der politisch Verantwortlichen. Wir müssen endlich damit beginnen, dem elementarsten Menschenrecht, dem Recht auf angemessene Nahrung, weltweit Geltung zu verschaffen. Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im November in Rom dient dazu, Hunger und Unterernährung wieder ganz oben auf die politische Tagesordnung zu setzen.

Für Millionen von Menschen ist das Recht auf Nahrung immer noch ein Traum. Etwa 840 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern sind derzeit chronisch unterernährt. Sie können sich nicht frei entfalten, da sie hungern und ihre ganze Kraft für den täglichen Kampf ums Überleben aufbringen müssen. Rund zweihundert Millionen Kinder sind untergewichtig. Jedes Jahr sterben Millionen Kinder unter fünf Jahren an Hunger und Unterernährung. Nahrungsmangel herrscht vor allem in den 82 ärmsten Ländern der Erde, von denen die Hälfte in Afrika liegt.

Diese Staaten trifft die aktuelle Entwicklung auf den Weltagrarmärkten am schwersten. Sie erzeugen selbst nicht genügend Nahrung und sind deshalb auf Importe angewiesen. Da die Knappheit auf den Getreidemärkten die Preise in die Höhe getrieben hat, werden die ärmsten Staaten von einer Kostenlawine von zusätzlich rund vier Milliarden Dollar für Getreideeinfuhren überrollt. Ihre Lage wird weiter dadurch erschwert, daß die internationale Nahrungsmittelhilfe in den vergangenen drei Jahren um die Hälfte gesunken ist. Es ist außerdem beunruhigend, daß die Weltgetreidereserven seit Beginn der siebziger Jahre ihren niedrigsten Stand erreicht haben.

Zu den enormen Herausforderungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert gehört auch das Bevölkerungswachstum. In den kommenden dreißig Jahren müssen rund drei Milliarden Menschen mehr ernährt werden - und dies ohne die vielfach schon übernutzten natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Wald und die biologische Vielfalt weiter zu gefährden.

Unser Handlungsspielraum ist begrenzt. Die Agrarflächen lassen sich kaum noch ausdehnen, wenn wir nicht wertvolle Wälder opfern oder wenig ertragreiche Böden ausbeuten wollen. Die Qualität vieler Böden ist in Gefahr: Schätzungsweise eine Milliarde Hektar Land ist aufgrund von Wind- und Wassererosion beeinträchtigt. Der übermäßige Einsatz von Pestiziden, der Nährstoffentzug der Böden an vielen tropischen Standorten, die Zerstörung der Wälder, die Überfischung der Weltmeere, der verschwenderische Gebrauch wertvollen Frischwassers - wir behandeln die Natur oft schonungslos, obwohl wir doch auf sie angewiesen sind.

Hungerbekämpfung muß immer auch Armutsbekämpfung sein. Etwa eine Milliarde Menschen lebt von weniger als einem US-Dollar pro Tag.

Sie leiden Hunger, da sie es sich nicht leisten können, genügend Nahrung selbst zu erzeugen oder zu kaufen.