Selten genug hat der Bonner Verkehrsminister Gelegenheit, sich einträchtig mit Umweltschützern zu präsentieren. Deshalb war es schon fast ein historisches Ereignis, als Matthias Wissmann sich Anfang September auf Vermittlung des Hamburger Versandhändlers Michael Otto mit vier Ökoverbänden auf eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Elbe verständigte. Doch der Frieden hat keine zwei Monate gehalten. Der BUND ist mittlerweile der Meinung, Wissmann halte sich nicht an die Abmachung. Ohne daß ein Gesamtkonzept für Strombaumaßnahmen vorliege, so Ernst Paul Dörfler, Leiter des BUND-Elbeprojekts, lasse der CDU-Politiker derzeit Buhnen errichten und Uferböschungen aufschottern. Dadurch bestehe die Gefahr, daß ausgerechnet im Biosphärenreservat Mittlere Elbe der Grundwasserspiegel absinke und die ökologisch wertvolle Auenlandschaft zerstört werde. Wissmann entgegnet, die von ihm angeordneten Maßnahmen dienten keineswegs dem Ausbau der Elbe, sondern lediglich der Instandsetzung. Seine Argumentation ist höchst umstritten: Ausgerechnet ein vom Bundesamt für Naturschutz in Auftrag gegebenes Gutachten stützt das Lamento der Umweltschützer. In der kommenden Woche wollen sie die Öffentlichkeit auf Wissmanns Wortbruch aufmerksam machen - und notfalls wieder auf Konfrontationskurs gehen.

Verschuldete Unternehmen können oftmals nur überleben, wenn ein ausländischer Käufer als Retter auftritt - gerade die Franzosen haben das vielfach bewiesen. So hat der staatseigene Hersteller von Unterhaltungselektronik, Thomson Multimedia (TMM), seit den siebziger Jahren kräftig jenseits heimischer Grenzen eingekauft.

Zum Beispiel die dümpelnden deutschen Produzenten von Heimelektronik Saba, Nordmende und Telefunken oder die amerikanische Fernsehfirma RCA. Stets war zu Hause der Applaus groß. Schließlich schmiedete der Staat auf diesem Weg den Pionier beim Digital-TV und den weltweit viertgrößten Anbieter von Fernsehern, Videorekordern und Hifi-Anlagen.

Alles andere als begeistert waren dagegen die Reaktionen, als jetzt bekannt wurde, daß TMM - mit 4,7 Milliarden Mark inzwischen hoch verschuldet - dem südkoreanischen Mischkonzern Daewoo zugeschlagen werden soll. 66 Prozent der Franzosen halten den Verkauf schlicht für falsch, ergab eine Meinungsumfrage. Daß der südostasiatische Gigant (Umsatz: 86 Milliarden Mark) TMM für einen symbolischen Franc erwirbt - nach einer staatlichen Kapitalspritze von fast drei Milliarden Mark, versteht sich -, empfinden die Franzosen als nationale Demütigung. Daran ändert auch nichts, daß Soon Hoon Bae, Präsident von Daewoo Electronics, in Paris 5000 neue Arbeitsplätze für Frankreich versprach. Die Gewerkschaften glauben dem Koreaner kein Wort und protestieren gegen die "Verramschung" ihres Unternehmens.

Auch der nächste nationale Aufschrei ist schon abzusehen. Die bankrotte Regionalfluglinie Air Liberté steht zum Verkauf. Mit British Airways hat erneut ein ausländischer Kaufinteressent gute Karten. Ärger scheint programmiert.

Ein vages Gerücht über einen bevorstehenden Konkurs genügte, um die Aktie allein an einem Tag um 20 Prozent abstürzen zu lassen.

Für ganze 39 Mark war Ende vergangener Woche das Papier der Deutschen Babcock AG zu haben. In diesem Jahr haben Anleger schon einmal 136 Mark für eine Aktie des Oberhausener Krisenunternehmens auf den Tisch gelegt. Doch die Zeiten scheinen vorbei, auch wenn der Kurs nach einem energischen Dementi des Unternehmens wieder leicht gestiegen ist. Das Mißtrauen der Anleger bleibt. Zu oft sind bei Babcock einer vermeintlich letzten Hiobsbotschaft weitere Negativmeldungen gefolgt. Heyo Schmiedeknecht, der das Unternehmen seit 1990 leitet, erfährt von seinen Mitarbeitern offenbar nur auf Raten die grausame Realität.