Zwei Männer im Auto. Dazu eine Frau. James (James Spader) sitzt am Steuer, Vaughan (Elias Koteas) liegt mit Catherine (Deborah Unger) auf der Rückbank. Der Wagen fährt in eine Waschanlage.

Man hört das Kratzen, Saugen und Schlürfen der Bürsten auf dem Blech. Vaughan und Catherine haben sich ausgezogen. James stellt seinen Rückspiegel ein, um den beiden zuschauen zu können. Wasser prasselt auf die Scheiben. Das Paar beginnt zu stöhnen. Die Bürsten sausen über den glatten Lack. Eine triefende, naß glänzende Hand zuckt von hinten über die Sitzlehnen. Der Fahrer starrt. Die Bürsten brüllen. Die Rückbank schreit. "Crash" heißt dieser Film. Jetzt weiß man, warum.

Eigentlich müßte der kanadische Regisseur David Cronenberg, geboren 1943, längst ein Klassiker des zeitgenössischen Kinos sein. Seit über zwanzig Jahren verfolgt er mit nie erlahmender Energie ein filmisches Projekt, das man in drei Worten zusammenfassen kann: Mutation, Deformation, Transformation. "Der Mensch ist etwas, das überwunden werden will", verkündete Friedrich Nietzsche. Viele fürchten diesen Satz. Cronenberg glaubt daran. Er zeigt menschliche Körper als Parasitenherde ("Die Brut"), fleischgewordene Videorecorder ("Videodrome") und telepathische Killerautomaten ("Scanners").

Er erzählt von Insektenmenschen ("Die Fliege"), komplementär gestrickten Zwillingen, die ohne einander nicht leben können ("Die Unzertrennlichen"), und Männern mit der düsteren Gabe des zweiten Gesichts ("Dead Zone"). Er ergründet literarische ("Naked Lunch") und sexuelle Aberrationen ("M. Butterfly"). Er entwirft Parallelwelten, in denen die Materie zur Maske des Unwirklichen wird. "Es lebe das neue Fleisch!" ruft die Hauptfigur in "Scanners", und Cronenberg, dessen Bilder schon immer auf der Höhe seiner Ideen waren, demonstriert von Mal zu Mal, von Film zu Film virtuoser und effizienter, wie dieses Fleisch aussehen könnte.

Cronenbergs Welt ist kein Budenzauber. Sie ist der Zwilling unseres Alltags. Die Visionen des Kanadiers liegen am Rand des technisch und menschlich Machbaren. Morgen wird dieser Rand überschritten sein. Cronenberg ist ein Realist der Zukunft - und der Schauder, den seine Filme auslösen, bloß ein Vorgefühl dessen, was uns erwartet.

Kann sein, daß es noch schlimmer kommt.

Trotz alledem ist David Cronenberg ein Regisseur der kleinen Kino-Kollektive geblieben, ein Mann der Happy-few. Der Heiligenschein des Kultfilmers hat ihn sowenig gestreift wie die Aura des kommerziellen Erfolgs.