Kennen Sie Herrn Tur Tur? Der Kinderbuchautor Michael Ende hat ihn erfunden, den Scheinriesen. Groß wirkt er nur von fern, je näher man ihm kommt, um so kleiner wird er.

Der Tur Tur der Medienwelt heißt Bill Gates, der Welt größter Softwareproduzent, ein 8-Milliarden-Dollar-Geschäft. Der Herr der Netze hat ein neues Hobby entdeckt: die Medien, also uns.

Sein angestammtes Geschäft hat nämlich einen Nachteil: Neue Software braucht der Mensch nur alle Jahre wieder. Was er aber täglich, ständig braucht, ist Infoware. Also kauft sich Gates welche: Lexika, Film-, Musikführer, Photoarchive, Rechte an Gemäldesammlungen.

Gates betreibt (gemeinsam mit Steven Spielberg) das Hollywood-Studio Dreamworks, einen Nachrichtenservice und mittlerweile den zweitgrößten TV-Nachrichtensender, zusammen mit NBC.

Geht's uns, die wir von Informationen, von Inhalten leben, jetzt an den Kragen? Zuerst trifft es wohl die US-Tageszeitung Fresno in Fresno, Kalifornien. Dort will Gates, nur so zum Test, einen digitalen Städteführer installieren, Cityscape, via Internet.

Mit ihm kann man sich schlau machen über das neueste Kinoprogramm, die Restaurantszene, die Stadt. Klatsch, Kleinanzeigen, überhaupt Werbung sollen folgen. Gates macht den Lokalverlegern ein Angebot, das sie nicht ablehnen können: Kooperation, sonst Kapitulation.

Sechs Verleger sind bereits erledigt, sind schon als Inhaltslieferanten Kinder von Pate Gates geworden. (Wer Genaueres erfahren möchte, wählt - Ironie des Schicksals - Internet, http:/www.sueddeutsche.de.