Manchmal macht das Leistungsprinzip selbst vor Amtsinhabern nicht halt. Die pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto beispielsweise ist gerade ihres Amtes enthoben worden. Sie habe schlecht regiert, lautet die Begründung. Andere Länder, andere Sitten.

Manches verbietet sich einfach von selbst. Zum Beispiel, daß "die einen fordern und die andern die Arbeit machen", findet der Kanzler.

Ein Standardsatz aus der Sozialmißbrauchsdebatte. Diesmal richtet er sich an die FDP. Die fordert und fordert, und Theo Waigel muß darüber brüten, wie er wohl diesmal seinen Solidarbeitrag für die Liberalen entrichten könnte. Irgendwann ist Schluß. Findet auch der Kanzler. Aber komisch, keiner will auf ihn hören.

"Wir wollen den Erfolg der Koalition", hat Guido Westerwelle gerade wieder bekräftigt. Das muß er wirklich dazusagen, zu all dem anderen, was er zuletzt so von sich gegeben hat. Zum Beispiel die schöne Formulierung, es gäbe in Deutschland einen "Reformstau wie Ende der sechziger Jahre". Damals aber gab es nicht nur viele alte Probleme, sondern auch eine ganz neue Koalition. Doch schon fängt Westerwelle den bösen Gedanken wieder ein: Allein die jetzige Koalition könne die Probleme lösen.

Aber wie? Mit den "zentralen Weichenstellungen" eben, meint der FDP-Generalsekretär. Wie wär's zum Beispiel mit Steuersenkungen?

Doch schon hört man Theo Waigel aufjaulen, und dann graut es Westerwelle wieder vor dem Reformstau, wie damals anno 69, aber man will ja den Erfolg dieser Koalition . . .

Oder doch eine andere? "Entweder lösen die herrschenden Mehrheiten die Probleme, oder diese suchen sich andere Mehrheiten", erklärt Jürgen W. Möllemann. Seine vieldeutige Äußerung war gefährlicher gemeint, als sie ist. Aber immerhin, Möllemann spielt wieder eine Rolle im Bonner Theater. Damit verbieten sich weitere Illusionen über den aktuellen Zustand der Koalition.