Zehn lange Jahre unterrichtete der Studienrat Fritz Peter S. Erdkunde und Biologie in Niedersachsens Schulen, bis er 1986 nach Bremen zog. Hier stellte er sich noch ein Jährchen den Schülern, dann verhinderte eine Krankheit nach der anderen weiteres pädagogisches Wirken.

Ein solches Lehrerschicksal ist nicht selten. Ungewöhnlich an diesem Fall ist hingegen, daß Herr S. sich seine Dienstunfähigkeit gleich selbst attestierte, und zwar mindestens seit 1993. Mit Hilfe gefälschter Dokumente, zusammengesetzt und handgefertigt aus Klinikschreiben, trieb der Studienrat seine Frühpensionierung energisch voran. Bedrohlich verschlechterte sich sein Gesundheitszustand - auf dem Papier. Zugleich reichte er rund vierzig Rechnungen frei erfundener Medizinprofessoren bei seinen Krankenkassen und der staatlichen Beihilfestelle ein. Erst als diese Stellungnahmen der Ärzte erbaten, flog die Leidensgeschichte auf.

Nun steht der grauhaarige Fünfzigjährige vor dem Schöffengericht in Bremen-Blumenthal, angeklagt der Urkundenfälschung und des Betruges. Mit zahlreichen Aktenordnern und Klarsichthüllen hat er sich vorbereitet. Verschmitzt weist er seinen Anwalt an, ihn die Sache in die Hand nehmen zu lassen, dann werde sich die Wahrheit schon erweisen.

Unstreitig sind Rechnungen und Atteste gefälscht: Die Ärzte, die sie ausgestellt haben sollen, existieren entweder gar nicht oder haben diesen Patienten nie gesehen. Eine Hausdurchsuchung förderte nachgemachte Stempel und entsprechendes Briefpapier zutage, sauber abgeheftet neben handschriftlichen Entwürfen. Das soll strafbar sein? Herr S. sieht das anders: "Zu Hause kann ich fälschen, soviel ich will!" So dachte er auch, als es darum ging, seiner alten Mutter schwere Pflegebedürftigkeit zu attestieren. Die ausgezahlten Geldbeträge ließ sich der sorgende Sohn auf sein eigenes Konto überweisen.

Daß die angeführten Professoren und Koryphäen ihn "vermutlich" nicht untersucht hätten, gibt er zu. Und wie es mit der Tatsache sei, daß die Fälschungen ihm den Schuldienst ersparten, ihm üppige Versorgungsbezüge sicherten, fragt der Richter. "Na ja", wiegelt S. lachend ab. Dabei hatte sich der gewitzte Mann gleich bei zwei Krankenkassen mit je hundert Prozent Kostenersatz versichern lassen.

Die staatliche Beihilfe wurde noch obendrauf gelegt. Allein eine fingierte Rechnung vom Klinikum Rechts der Isar über 20 000 Mark trug ihm 50 000 Mark ein.

Summen, die ihn nicht weiter zu beunruhigen scheinen, obgleich die Krankenkassen inzwischen Zwangshypotheken auf sein Haus eintragen ließen. "Das sind alles Nebenschauplätze, Pipikram", verrät S.