Die Erkenntnis bricht sich von der linken Zehenspitze her Bahn: Da ist sie wieder, die lausige Jahreszeit, da sich die Menschheit, unüberbrückbar, in zwei Sorten von Wesen spaltet: die mit warmen und die mit kalten Füßen.

Erfahrungsgemäß bilden die Warmfüßler eine Gruppe von Ignoranten, ständig in dem Irrglauben befangen, ihr Befinden sei ganz selbstverständlich.

Die Kaltfüßler hingegen sind sich ihrer besonderen Wesenhaftigkeit ständig gewahr, sie empfinden ihren Zustand als keineswegs normal.

Im Sommer mag ihnen das noch gelingen. Spätestens im Oktober aber wird sich der Kaltfüßler seiner Identität schmerzlich bewußt.

Mittels diverser Utensilien versucht er zunächst noch, die Gattungszugehörigkeit zu leugnen: kratzende Wollsocken, gefütterte Stiefel, heiße Fußbäder, Wärmflaschen im Bett. Alles vergeblich. Im November kommt es regelmäßig zum Coming-out: Jawohl, ich bin . . . war es schon immer.

Allein dieses frühkindliche Ausharren auf Rodelbahnen mit schmerzverzerrtem Gesicht, diese Nachmittage auf der Eisbahn, wo alles unterhalb der Kniescheibe zu fühlloser Masse gefror. Ein Trauma fürs Leben.

Jahre später dann, in pubertierender Zweisamkeit, die entsetzten "Huchs" des Angehimmelten beim ersten vorsichtigen Fußkontakt.