Reisebüros entdecken den Service. Härtere Konkurrenz zwingt sie dazu. Durch persönliche Beratung und längere Öffnungszeiten wollen sie mehr Kunden gewinnen.

Ursula Reinert, Reisebüroinhaberin im schwäbischen Ditzingen, öffnete zum ersten Mal ihr neues Reisebüro am Sonntag. Und viele kamen: Vor allem Paare und Familien ließen sich in aller Ruhe beraten. Ursula Reinert wird ihr Geschäft deshalb weiterhin am Sonntag öffnen: "Diesem Konzept gehört die Zukunft."

Die schwäbische Geschäftsfrau hat verwirklicht, was Marketingexperten den deutschen Ferienverkäufern für den harten Überlebenskampf empfehlen: Das Reisebüro muß seine Service- und Beratungsqualität in den Vordergrund stellen und sich stärker um den Kunden bemühen.

Denn in einem Punkt ist sich die Tourismusbranche einig: Reisebüros haben keine Zukunft, wenn sie sich weiterhin als Buchungsmaschinen verstehen und die schnelle Umsatzmark vor die Kunenpflege stellen.

Vielmehr müssen sie sich als Reiseberater profilieren, denn der reine Verkauf könnte zunehmend von den Veranstaltern selbst und von den neuen Medien geleistet werden.

Bei Ursula Reinert finden sich auf 220 Quadratmetern neben den üblichen Buchungsschaltern ein Bistro, eine Abteilung mit Reiseliteratur und Videos sowie eine Kinderspielecke. Last-minute-Kunden haben ihr eigenes Revier. Einmal wöchentlich veranstaltet die Mannschaft des Reisezentrums Länderabende mit Vorträgen, Dia-Shows und Filmen.

Im hessischen Bad Homburg hat man mit solchen Konzepten schon dreizehn Jahre Erfahrung. Mit viel Phantasie entwickelte Volker Höfing in seinem Büro eine andere Form des Ferienverkaufs. Seine Kunden sollen bereits Urlaubsluft schnuppern, bevor sie ein Flugzeug betreten. Die Beratung erfolgt in der warmen Jahreszeit bei einem Glas Retsina im palmenbestückten Hinterhof. Oder man plaudert in Räumen, die Privatzimmern gleichen: Sofa, antike Möbel, Weltkarten.