Das erste Reisebüro für Planetenfahrten wurde 1950 im New Yorker Museum für Naturgeschichte eröffnet. Dem erstaunten Publikum wurden dort Fahrkarten zum Mond, zu Mars, Jupiter und Saturn angeboten, Reisetermin: 15. März 1975. Mehr als zweihundert Museumsbesucher bestellten sich die Tickets.

Besteht nun wieder Grund zu hoffen, daß die Planetenfahrten eines Tages doch Wirklichkeit werden? Schließlich brechen in diesen Tagen gleich drei Sonden zum Mars auf, weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Und seit die amerikanische Raumfahrtagentur Nasa im August angebliche Spuren von außerirdischem Leben auf einem Marsmeteoriten präsentierte, regt die Weltraumfahrt auch hierzulande wieder zu Schlagzeilen an. Seit Wochen schon wird in allen Zeitungen ausführlich über die geplanten Marsmissionen berichtet, an denen sich Amerikaner, Russen und Japaner beteiligen. Da werden technische Details ausgebreitet, Theorien über außerirdisches Leben diskutiert, und man fachsimpelt über die Frage, ob der rote Planet mittels "Terraforming" dereinst zu einer künstlichen Erde umgebaut werden könnte. Zum ersten Mal seit vielen Jahren - nach der traumatischen Challenger-Katastrophe, dem Verlust der Raumsonde Mars Observer und dem endlosen politischen Gefeilsche um die internationale Raumstation - schwingt dabei auch wieder jene Faszination mit, die frühere Weltraumexpeditionen so selbstverständlich begleitete.

Sprach nicht Nasa-Chef Daniel Goldin schon vor zwei Jahren davon, daß die Raumfahrt eine neue Vision brauche, um die Öffentlichkeit mitzureißen? Als er vorschlug, den Kosmos nach bewohnbaren Planeten abzusuchen, klang das noch wie Zukunftsmusik. Inzwischen hat ihm die Wissenschaft Schützenhilfe gegeben. Anfang des Jahres machten Geoffrey Marcy und Paul Butler erstmals Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aus, im August präsentierte die Nasa ihre Indizien für Marsmikroben, und termingerecht vor dem Start des Global Surveyor kündigten am vergangenen Wochenende britische Forscher an, auch sie hätten mögliche Hinweise auf Bakterienspuren in einem Marsmeteoriten gefunden.

Da spüren unermüdliche All-Visionäre wie Jesco von Puttkammer plötzlich Rückenwind. Seit Jahren schon wirbt er für das "Jahrtausendprojekt Mars", an dessen Ende die Besiedelung des roten Planeten stehen soll. Nun findet der "Chefstratege der Nasa" in so mancher deutschen Zeitung endlich Gehör. Freilich dürfte es noch einige Zeit dauern, bis seine Visionen Wirklichkeit werden.

Immerhin ist der Mars auch im erdnächsten Punkt noch 56 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Daher dauert allein die einfache Fahrt zum roten Planeten schon sechs bis acht Monate. Auch die Raumsonden, die jetzt starten, werden erst im nächsten Sommer ihr Ziel erreichen. Der amerikanische Global Surveyor soll dann die Marsoberfläche kartieren. Die Russen hoffen mit ihrer Sonde Mars '96 (Start: 16. November) auf detaillierte chemische Bodenanalysen, und die Amerikaner schicken mit Pathfinder (Start: 2. Dezember) sogar einen kleinen Roboter ins Rennen. Erst nach der Jahrtausendwende sind Raumfähren geplant, die auch Gesteinsbrocken vom Mars auf die Erde zurückbringen, und eine bemannte Expedition steht noch völlig in den Sternen.

Kostenschätzungen der Nasa für eine bemannte Marsmission belaufen sich auf 500 Milliarden Dollar. Vergleicht man diese Zahl mit dem Budget der Nasa, das von derzeit rund 14 Milliarden Dollar bis zur Jahrtausendwende noch um 17 Prozent schrumpfen soll, wird schnell klar, wie utopisch der Gedanke an einen bemannten Marsflug ist. Da hilft auch die Hoffnung auf eine internationale Anstrengung aller Raumfahrtnationen nicht weiter. Schließlich schrumpft auch bei der europäischen Raumfahrtorganisation Esa der Etat, und in Rußland haben die Raketenbauer derzeit sowieso andere Sorgen.

Auch das Umformen des Mars in ein künstliches Refugium im All sollten wir so lange vergessen, bis wir nicht wenigstens die komplexen Kreisläufe auf unserem eigenen Globus durchschauen und beherrschen.