Hunger war in den vergangenen Dekaden überwiegend menschengemacht: die Folge von Politikversagen. Für seine Überwindung sind in erster Linie politischer Wille und gute Gouvernanz erforderlich, konkret: der sorgfältige Umgang der Regierenden mit ihrer Macht sowie mit den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ressourcen. Dies bedeutet vor allem gute Wirtschaftspolitik, speziell die Förderung der ländlichen Entwicklung.

Wenn in Zaire, Ruanda, Burundi oder Somalia Menschen hungern, dann hat das wenig mit landwirtschaftlichen Problemen zu tun.

Wo Despoten herrschen, Kriege wüten und die Gesellschaft zerfällt, kann Hunger nicht mit einer Ausweitung der bebaubaren Fläche, einer Erhöhung der Hektarerträge oder dem Ausbau von Bewässerungsanlagen bekämpft werden: Das Übel hat seine Wurzeln im politischen Mißmanagement, in Defiziten bei der Gouvernanz.

Im Kampf gegen den Hunger wurden denn auch regelmäßig dort große Fortschritte gemacht, wo good governance herrschte: mit niedriger Inflation, unverzerrten Währungskursen, Beschränkung der Staatstätigkeit auf jene Aufgaben, die der Markt nicht übernehmen kann. Das Resultat war ein arbeitsintensives Wachstum.

Wirtschaftswachstum ist jedoch nur eine notwendige, keine hinreichende Bedingung für die Armutsüberwindung. Zusätzlich erforderlich war regelmäßig auch eine aktive staatliche Verteilungs- und Sozialpolitik.

Sie bewirkte wirtschaftliche Entwicklung mit sozialer Breitenwirkung und legte besonderes Gewicht auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse.

Massive Investitionen in die ländliche Infrastruktur wie Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Straßen, Elektrizität, Märkte, landwirtschaftliche Beratung waren ebenso notwendig wie die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion durch Anreize, zum Beispiel profitable Preise. Die Förderung der Eigenständigkeit und Eigenverantwortung der Menschen im ländlichen Raum, insbesondere der weiblichen Kleinbauern, gehört ebenfalls zu den Erfolgsrezepten.