Englische Fußballklubs haben zum Sturm angesetzt. Ihr Ziel ist die Wertpapierbörse. Sie wollen auf den Kurszettel, ihre Aktien leichter handelbar machen und auf diese Weise Kapital auftreiben.

Am Ende der Saison könnte bereits die Hälfte der zwanzig Vereine in der obersten englischen Liga (premier league) börsennotierte Unternehmen sein. Die Phantasie der Kapitalanleger beflügelt die Aussicht, die Klubs könnten mit bezahlten Fernsehübertragungen viel Geld verdienen.

Die Vereine der oberen Ligen sind traditionell als Aktiengesellschaften organisiert. Die Anteile liegen in der Regel in festen Händen, nämlich denen der finanzkräftigen Fußballfreunde, die sich ihre Liebhaberei etwas kosten lassen und gern in den Angelegenheiten der Klubs mitmischen. Für die Aktien gibt es einen inoffiziellen Markt, aber die Anteile wechseln selten den Besitzer.

Als erster Verein wagte der Londoner Klub Tottenham Hotspur bereits 1983 den Gang zur Börse. Aber die Anleger scheuten das Papier.

Skandale, Intrigen und Machtkämpfe schüttelten den Verein. Der Verband strafte ihn wegen unerlaubter Zahlungen an Spieler mit einer heftigen Geldbuße, nahm ihm Punkte weg und schloß ihn vom Pokalwettbewerb aus. Die Stimmung schlug um, als der neue Vorstand 1994 für zwei Millionen Pfund Jürgen Klinsmann einkaufte. Sein Ausscheiden ein Jahr später drückte den Aktienkurs allerdings zunächst wieder - bevor er dann zu einem Höhenflug ansetzte und sich innerhalb des vergangenen Jahres verdreifachte. Das Unternehmen ist heute etwas über hundert Millionen Pfund wert.

Manchester United hatte 1991 ebenfalls einen schlechten Börsenstart.

Aber der Verein war in der vergangenen Saison auf dem Rasen wie mit seinen kommerziellen Aktivitäten höchst erfolgreich. Die Folge: Der Kurs kletterte. Berichte über Übernahmeofferten für das Unternehmen sorgten für den jüngsten Kursschub. Wer diesen Verein heute haben will, müßte wahrscheinlich bis zu 400 Millionen Pfund hinlegen.