Nach jahrelangen Vorbereitungen steht das geplante Transplantationsgesetz kurz vor dem Abschluß. Dieses Gesetz wird auch einige Bestimmungen zur Verteilung entnommener Organe enthalten. Anders als die Bedingungen der Organentnahme - und damit das Hirntodkriterium - wurde dieses Problem hierzulande nur unzureichend diskutiert. Seine Regelung ist jedoch kaum weniger brisant, denn für die Betroffenen geht es wegen der großen Organknappheit vielfach buchstäblich um Leben und Tod.

Beide Gesetzentwürfe (von CDU/CSU, FDP und SPD einerseits und Bündnis 90/Die Grünen andererseits) weisen gravierende Defizite auf. Vor allem die in beiden Entwürfen enthaltene Vorgabe, Organe seien nach Regeln zu vergeben, die "dem Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechen", erscheint korrekturbedürftig. Die Forderung ist nämlich schon deshalb nicht zu erfüllen, weil das Problem in Wahrheit gar kein medizinisches ist.

Die zentrale Frage der Organvergabe lautet: Wer soll kein Organ erhalten? Von der Medizin darf man auf diese Frage keine Antwort erwarten, denn es gibt keine medizinischen Gründe, Kranken, die nach ärztlicher Beurteilung von einer Transplantation profitieren könnten, diese vorzuenthalten. Genau das ist jedoch unvermeidbar, weil das Organaufkommen weit hinter dem medizinischen Bedarf zurückbleibt.

Folglich müssen viele Patienten allein aus Gründen der Ressourcenknappheit ausgeschlossen werden - und nicht, weil eine Transplantation in ihrem Fall keinen Sinn hätte.

Zur Begründung der alltäglichen Auswahlpraxis wird oft der Begriff des "medizinischen Erfolgs" in einer Weise verwendet, die medizinisch nicht gedeckt ist. Der Erfolg einer Behandlung bemißt sich nach medizinischem Verständnis stets am Wohl des einzelnen Kranken.

Eine Orientierung an diesem Erfolgsbegriff hilft jedoch bei der Lösung des Auswahlproblems nicht weiter, bei dem ja gerade zu entscheiden ist, wessen Wohl auf wessen Kosten gefördert werden soll.

In der Transplantationsmedizin (wie auch in anderen Bereichen der Medizin, wo sich ähnliche Verteilungsprobleme stellen) hat es sich weithin eingebürgert, den Erfolg primär an den Funktions- und Überlebensraten transplantierter Organe und Patienten zu bemessen.