Eines Tages wird die Kindheit schal und die Haut zu eng, das Zischeln im Schulflur gilt plötzlich dir, und den verbotenen Wörtern wächst eine bis dahin ungekannte Hemmung zu. Tagsüber gibst du dich altklug oder verschlossen, nachts träumst du von dem Jungen aus der Oberstufe, und der Körper kommt nicht nach. Es ist die Zeit vor dem Frühlingserwachen, die kurze Phase zwischen Kindheit und Pubertät. Eine Zeit der Grausamkeit. Niemand erinnert sich gern daran, wenn überhaupt.

Das Wesen im Spiegel wird dir fremd. Dein eigener Anblick läßt dich im Stich, sieht aus wie ein abgetragenes Kleidungsstück, das du nicht loswirst. Die Clique wendet sich ab, die Mutter bevorzugt die niedliche kleine Schwester, die Brüder erteilen dir Zimmerverbot.

Mein Vater pflegte dann grinsend zu sagen: Sie hat ihren Weltschmerz.

Dawn Wiener übersteht diesen Schmerz. Dawn (Heather Matarazzo) ist elf Jahre alt, geht in die siebte Klasse der Junior High School (was der hiesigen Mittelstufe entspricht), steht mit offenem Mund und Plastiktablett in der Mensa und sucht einen Platz, den niemand ihr gönnt. Dawn Wiener ist häßlich. Die Mädchen schimpfen sie Lesbe, der Rowdy der Klasse zitiert sie zur Vergewaltigung (und küßt sie dann ungelenk), der Spind trägt ihren Spitznamen: Wienerdog. Aber Dawn bescheidet sich nicht in ihre Rolle als Würstchen.

Sollen die anderen sich hübsch machen - Dawn bleibt sich treu.

Ihre Trainingshose zieht sie bis zu den Kniekehlen hoch. Ihr Haar bindet sie, ordentlich gescheitelt, mit zitronengelben Klunkern zum Pferdeschwanz. Mit dicken Brillengläsern, schiefen Zähnen und wulstigen Lippen hat sie keine Chance gegen die Girls in der Schule. Strickpullover mit Häkelblumen, gepunktete Rüschen und grelle Farbkombinationen vervollständigen das geschmacklose Bild.

Nicht daß Dawn sich als Trotzkopf gebärdete. Sie möchte es durchaus recht machen, müht sich krampfhaft um Anerkennung - bloß weiß es keiner zu schätzen. Wenn die anderen petzen, werden sie belohnt.