Ein haushohes Eisentor ist täglich das erste Hindernis auf dem Weg zur Arbeit. Das zweite die Besucherschleuse. Ein Beamter hinter Glas kassiert den Personalausweis. Nächste Station die Pforte zum Innenhof, schließlich der Eingang zur Werkhalle. Alles wird auf- und sofort wieder abgeschlossen. Tür auf, Tür zu. Tür auf, Tür zu. Es hat gedauert, bis sich die neunzehn Lehrlinge aus der Umgebung an das ständige Stop-and-go gewöhnt hatten.

Hier, in der nordbadischen Justizvollzugsanstalt Adelsheim, einem der größten Jugendgefängnisse Deutschlands, lernen die jungen Leute gemeinsam mit 110 Häftlingen, was man als Schlosser, Schreiner, Kfz-Mechaniker, Elektroniker oder Koch können muß. Sie machen eine Lehre im Knast - und das freiwillig.

So weit ist es also schon mit der Ausbildungsmisere in diesem Land? Der Leiter der Anstalt, Joachim Walter, wundert sich über die Verwunderung: "Wieso?" Eine Lehrstelle im Gefängnis sei doch allemal besser als keine Lehrstelle. Die Idee, Gefängniswerkstätten auch für Jugendliche von draußen zu öffnen, ist allerdings keine kurzfristige Reaktion auf den aktuellen Lehrstellenmangel. Schon seit neunzehn Jahren teilen sich in Adelsheim straffällige und "freie" Jugendliche die Ausbildungsplätze. Ähnlich ist es auch in anderen Gefängnissen in Baden-Württemberg. Insgesamt vierzig "Externe" gehen hier im Knast in die Lehre, darunter sechs junge Frauen in der Frauenvollzugsanstalt Schwäbisch-Gmünd.

In der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, ist im Strafvollzug im Südwesten ein Austauschprogramm entwickelt worden, das mustergültig scheint. "Es hat für alle Seiten nur Vorteile", sagt Anstaltsleiter Walter. Die Jugendlichen sehen das auch so.

Der 24jährige Wolfgang Egenberger beispielsweise. Er hat sich vor drei Jahren, nach Abitur und Bundeswehr, in der Adelsheimer JVA für die Ausbildung zum Industrieelektroniker beworben. Für ihn war das keine Notlösung. Im Gegenteil, er ist sich sicher, daß er eine genau so gute - wenn nicht bessere - Ausbildung erhält wie "in irgendeinem Betrieb draußen". Die technische Ausrüstung sei gut, die Ausbilder nähmen sich für jeden viel Zeit. "Wir sind eine reine Lehrwerkstatt, da geht es nicht zuerst um die Produktion, sondern um den Lehrling."

Daß es zugleich ein Gefängnis ist, in dem er lernt, bedrückt ihn wenig. Ja, es gebe Gitter vor den Fenstern, und aus der Werkstatt komme man nur heraus, wenn der Ausbilder die Tür aufschließe.

"Aber ansonsten ist das doch hier wie in jedem anderen Betrieb."