Ein wichtiges Nebenprodukt der Computerindustrie heißt unter Kennern Fud. Das ist die Abkürzung für fear, uncertainty and doubt, also Furcht, Unsicherheit und Zweifel. Der Computerpionier Gene Amdahl schuf den Begriff vor langer Zeit. Er wollte damit erklären, warum die Unternehmen immer die Computer von IBM kauften und nicht die besseren der Firma Amdahl .

Tatsächlich war Amdahl technisch überlegen, aber IBM hatte es verstanden, Mißtrauen gegen den Konkurrenten zu säen: Wer könne denn garantieren, hieß es in der IBM-Werbung, daß Amdahl nicht in einigen Jahren vom Markt verschwinde, unter Hinterlassung der hilflosen Kundschaft? IBM-Rechner hingegen stünden für die Zukunftssicherheit eines unumstößlichen Großkonzerns.

Ein Gerichtsurteil stoppte diese Art der Werbung, aber das Marketing mittels Furcht, Unsicherheit und Zweifel gibt es noch immer, ja Fud ist heute beliebter denn je. Momentan ist die Computerindustrie vor allem von der Sorge um die "total costs of ownership" ergriffen, um die Gesamtkosten also, die der Besitz eines Rechners verursacht. Neben dem Aufwand für Hardware und Software ist da vor allem die Pflege des Rechnerparks zu berücksichtigen. Und die gehe, heißt es gern, immer gewaltiger ins Geld.

Allein für die Aktualisierung der Software verpulvere die US-Industrie jedes Jahr einige hundert Millionen Dollar, behauptet Larry Ellison, der Chef der Softwarefirma Oracle . Das ist sein Lieblings-Fud, und die Lösung, die er nimmermüde propagiert, ist der NC, der Netzcomputer. Ein billiges, primitives Gerät, das kaum gewartet werden muß, weil es nicht einmal eigene Software benötigt. Die holt es sich bei Bedarf von einem Zentralrechner im firmeneigenen Intranet, einer Art geschlossener Unterabteilung des Internet.

Der NC ist gedacht als Angriff auf die marktbeherrschenden Firmen Microsoft und Intel , die auf immer stärkere, schnellere Einzel-PCs setzen und ihrerseits die NC-Idee immer verlachten. Aber just in dem Moment, in dem nun die ersten NCs in größeren Stückzahlen auf den Markt kommen, drehen Microsoft und Intel bei und präsentieren eine neue Generation von Computern, die zwar nicht gerade NC, aber doch immerhin Net-PC heißen sollen. Diese Geräte unterscheiden sich kaum von Ellisons Gegenmodell, außer daß sie nur mit einem abgewandelten Betriebssystem von Microsoft laufen. Es sind im Grunde ganz normale PCs mit einem mittleren Pentium-Prozessor, jedoch gekoppelt an einen Zentralrechner, der sie mit Software und Speicherplatz versorgt - und nebenher Wartungsaufgaben wahrnimmt. Eine "Zero Administration Initiative" soll auf noch ungeklärte Weise dafür sorgen, daß sich die Kosten für den laufenden Betrieb "nahe bei Null einpendeln", so ein Sprecher von Microsoft.

Für Mitte 1997 sind die ersten Maschinen versprochen. "Zwanzig Jahre nach dem Bau der ersten Personalcomputer haben sie die zweite gute Idee", witzelte Larry Ellison.