Wenn es keine Aufklärungsbücher gäbe, die alles zeigen und beschreiben; wenn Eltern ihre Kinder nicht beiseite nähmen, um ihnen von den Bienen und den Blumen zu erzählen; wenn der heranwachsenden Generation das Wissen der Straße um das Warme und Feuchte verborgen bliebe: Die Menschheit würde dennoch nicht aussterben.

Und warum nicht? Weil das Geheimnis der Arterhaltung im Handumdrehen sich erhellt. Weil jedes Kind von morgens bis abends am Herumfummeln ist. Weil alles zu begrabbeln vieles zu begreifen hilft. Was der Körper ist. Wo seine Öffnungen sind. Hineinstecken, Herausziehen, Fühlen.

"Touch me!" Der Besucher, den es in diese Ausstellung des Museums für Gestaltung Basel zieht, ist seltsam berührt, weil seine erste Assoziation gleich ins Geschlechtliche geht. Durch den dichten Fransenvorhang am Museumseingang hat er sich gekämmt, auf Tuchfühlung mit den Viren und Schleimpartikeln seiner Vorgänger, und steht nun in einer Halle vor einer langen, blauen, übermannsgroßen Schrankwand mit allerlei Löchern darin. Große und kleine Löcher, in Knietiefe bis Augenhöhe, zu sehen ist aber nichts, ein gelbes Geflecht versperrt den Blick.

An diesen Löchern drängen sich die Ausstellungsbesucher, stecken, als könnten sie's kaum erwarten, die Hand, den Unterarm, manchmal sogar die ganze Extremität durchs Gelbe ins Ungewisse.

Hineinstecken, Herausziehen, Fühlen. Erwachsene Männer und Frauen, zu Dutzenden aufgereiht an der Wand, heiß entschlossen in Löchern rührend, den Blick versonnen nach innen gewandt - welch ein Bild! Hier wird Heimliches öffentlich und in seiner Öffentlichkeit unheimlich, ja obszön: die Lust am Grabschen, Betatschen, Anfassen, Fingern.

An Wochenenden strömen sie zu Hunderten herbei, die Schau in ein Spektakel verwandelnd. Durch die Halle, die akustisch an ein Schwimmbad erinnert, kreischt es IIIIEEEKK!, wenn gerade wieder jemand, nichts Böses ahnend und doch auf alles gefaßt, durch eines dieser Löcher hindurch in das Aquarium gelangt hat und sich nun den Glitsch von den Fingern schüttelt. Wenn gerade wieder jemand beim Streichen über eine Sode echten Grases auf die Schlange stößt, aus Plastik zum Glück, eine Blindschleiche. Wenn gerade wieder jemand beim Abtasten des Kochfeldes die heiße Herdplatte . . .