Im brasilianischen Urwald, an der Grenze zu Guyana, leben die Waiapi. Sie finden sich in der grünen Wildnis ohne Kompaß und Karte zurecht. Mit einer Gruppe dieser Indianer war Augo Knoke, ein Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) , unlängst unterwegs. Bei sich trug er ein Gerät von der Größe eines Taschenrechners: Das Instrument fing die Peilsignale von Satelliten ein, die als Global Positioning System (GPS) um die Erde kreisen. So ermittelte Knoke die geographische Lage des Aima, des Grenzflusses in diesem Gebiet.

Insgesamt mehr als hundert Schutzgebiete für die Ureinwohner Amerikas will die GTZ in Brasilien markieren. Denn in die Gebiete der indigenen Völker Amazoniens dringen inzwischen Goldsucher, Holzfäller, Händler, Großgrundbesitzer und landlose Kleinbauern ein. Eine rechtsverbindliche Ausweisung ihres Lebensraumes soll den Stämmen die Chance bieten, physisch und kulturell zu überleben. Vor wenigen Monaten erkannte der brasilianische Präsident per Dekret die angestammten Jagdgründe der vierhundert Köpfe zählenden Waiapi offiziell an. Dieser erste Schritt zu einem rechtlich gesicherten Status wurde erst durch die Positionsbestimmung via Satellit möglich. Denn nur so läßt sich eine Grenze ziehen, die auch Weiße lokalisieren können.

Satelliten sind gerade für Gebiete mit schlecht ausgebauter Infrastruktur wie geschaffen. Wo detaillierte Karten fehlen, erlauben sie eine exakte Bestimmung der geographischen Lage. Wo keine Kabel verlegt sind, schaffen sie die nötigen Verbindungen für die Telekommunikation. Und wo die Behörden kaum etwas über die Nutzung des Landes wissen, bieten sie einen Überblick.

Fernerkundungssatelliten können nicht nur Kahlschlag im Regenwald dokumentieren. Auf ihren Aufnahmen lassen sich auch fruchtbare Gebiete ausmachen, die Ackerbau ohne schwerwiegende ökologische Folgen vertragen. Selbst Grundwasser in trockenen Gebieten haben Forscher auf diese Weise schon aufgestöbert, und bei Waldbränden und Überschwemmungen zeigen die Bilder aus dem All, wo die Hilfstrupps mit welchen Mitteln eingreifen müssen.

Doch in der Praxis wird die Technik nur selten genutzt. Die Industriestaaten entwickelten die Satelliten nach ihren Bedürfnissen. Für arme Länder ist die Satellitentechnik zu hochgezüchtet und - vor allem - viel zu teuer. Eine Aufnahme des amerikanischen Landsat oder des französischen Spot kostet mehrere tausend Mark. Und für die meisten Anwendungen, etwa für die oft lebenswichtige Ernteprognose, sind viele Bilder nötig.

"Die ganze Sahelzone Westafrikas ernährt sich von Hirse", sagt Dietrich Bannert von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. "Innerhalb von zwei Wochen nach der Aussaat muß es regnen, sonst keimen die Samen dieser Pflanze nicht." Doch wann, wo und ob überhaupt Niederschlag fällt, läßt sich im voraus nicht absehen. Der Südwestmonsun trägt die Gewitter der Regenzeit unterschiedlich weit und häufig nur in schmalen Bahnen nach Norden. Dadurch fallen die Ernten in Gebieten, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, ganz unterschiedlich aus. Eine Satellitenaufklärung könnte Regierungen und Hilfsorganisationen immerhin rechtzeitig - ein bis zwei Monate vor der Ernte - mitteilen, ob irgendwo eine Dürre droht. Katastrophen wie die vor zwanzig Jahren, als rund 100 000 Menschen im Sahel verhungerten, ließen sich dann abwenden. Überdies dämmte eine gezielte Hilfe die Landflucht ein. Denn meist ziehen die Bauern erst in die Städte, wenn sie nichts mehr zu essen haben.