Das Übernachten wird immer günstiger. Der französische Accor-Konzern baut nun auch in Deutschland seine kompromißlos einfachen Low-Budget-Hotels unter dem Markennamen Formule 1.

Manch einer kennt die Herbergen aus dem Frankreichurlaub: Formule 1-Hotels bedeuten Übernachtung pur. Sie liegen meist am Rande eines Industriegebiets und haben kaum Komfort. Jetzt wollen die Franzosen auch Deutschland mit den Hotels in Fertigbauweise beglücken. Dreißig Häuser der Marke Formule 1 sind bis zum Jahr 2003 geplant. Das erste Haus öffnet Ende dieses Jahres in Magdeburg, weitere Einfachhotels sollen in Berlin, Bochum, Dresden, Hannover und Leipzig entstehen.

Wem der Name Formule 1 auch aus deutschen Landen bekannt vorkommt, irrt nicht. Schon einmal gab es hierzulande 24 solcher Hotels.

1993 wurden sie jedoch in "Etap"-Hotels umbenannt, weil sie eine Toilette zum Zimmer hatten und damit nicht dem französischen Vorbild entsprachen.

Jetzt aber kommt die original französische Version: Die Zimmer sind gerade mal neun Quadratmeter groß, haben TV, Schreibtisch, Waschecke, ein französisches Bett und ein Etagenbett und bieten somit bis zu drei Personen Platz. Wichtigstes Detail der neuen Formule 1-Häuser: In den Räumen gibt es keine Naßzelle. Die Gäste von vier bis fünf Hotelzimmern teilen sich Dusche und Toilette auf dem Gang. Die Manager der Formule 1-Hotels sind überzeugt, daß die Deutschen diese Einfachheit akzeptieren: Die Sanitärräume würden nach jeder Benutzung gründlich automatisch gereinigt. Außerdem sehe man vor den französischen Formule 1-Häusern viele Autos mit deutschen Nummernschildern, sagen sie.

Wichtigstes Argument für den neuen Hoteltyp ist der Preis von 44 Mark pro Zimmer und Nacht. Ein Parkplatz ist in der Summe inbegriffen, das einfache Frühstück kostet sechs Mark. Man findet die Häuser immer außerhalb der Städte, meist in der Nähe einer Autobahnabfahrt.

Formule 1-Hotels sind die konsequente Weiterentwicklung der Low-Budget-Hotels, die in Deutschland immer beliebter werden. Die Hotelmarken Etap (ein Stern) und Ibis (zwei Sterne) haben im Vergleich zur übrigen Hotellerie gute Auslastungen. So stieg die Belegung der heute 35 Etap-Hotels von 60,8 Prozent (1994) auf 66 Prozent 1995. Die Auslastung der 45 Ibis-Hotels wuchs 1995 um 2,3 Prozentpunkte auf 66 Prozent. Der Generaldirektor der Ibis-Hotels in Deutschland, André Witschi, frohlockt deshalb auch heuer wieder: "Die Ibis-Hotels sind die passende Antwort sowohl auf die anhaltende Sparpolitik in deutschen Unternehmen als auch auf die geringen Reisebudgets der Privathaushalte."

Dank dieser Erfolge setzt die Accor-Gruppe ihren Expansionskurs im Bereich der Preiswerthotels fort: Geplant ist, die Zahl der deutschen Etap- und Ibis-Hotels bis ins Jahr 2003 zu verdoppeln.

Zweihundert Einfachhotels französischer Machart soll es dann in Deutschland geben.