Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer zog beim traditionellen Jahresessen mit Bonner Journalisten stolz Bilanz. Zu Beginn des kommenden Jahres könnte der Bundestag seine letzte Gesundheitsreform verabschiedet haben. "Ich habe dann alles das erledigt", sagt Seehofer, "was ich mir 1992 vorgenommen hatte."

Die Gesetzliche Krankenversicherung scheint tatsächlich "erledigt".

Daß der CSU-Sozialpolitiker Horst Seehofer 1992 angetreten war, die 1883 unter dem Reichskanzler Fürst Bismarck gegründete Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) abzuschaffen, hat damals niemand geahnt, er selbst wohl am wenigsten. Doch jetzt stürzt die neben der Rentenversicherung wichtigste Säule der deutschen Sozialversicherung ein.

Für Medikamente, einige ärztliche Behandlungen und Krankenhausaufenthalte müssen die Patienten künftig tief in die eigene Tasche greifen.

Häusliche Krankenpflege, Vor- und Nachsorgemedizin, Kuren und Prothesen, die Taxifahrt zum Doktor - all das soll der Kranke selbst bezahlen, ganz oder wenigstens teilweise. Teuer wird es auch, wenn er im Ausland erkrankt. Den Zahnersatz, schon lange ein teures Privatvergnügen, wird er bald ganz allein begleichen.

Für die Krankenhäuser sind die Versicherten zum Notopfer aufgerufen - drei Jahre lang zwanzig Mark per annum. Ziel des Ersten und Zweiten Gesetzes zur Neuordnung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-NOG) ist: Beitragsstabilität.

Dieser Zweck heiligte schon das Beitragssentlastungsgesetz, gerade erst ein paar Wochen alt. Es zwingt die Krankenkassen, ihre Beiträge vom 1. Januar nächsten Jahres an um 3 Prozent vom durchschnittlichen Beitragssatz zu senken. Der beträgt zur Zeit 13,42 Prozent des Einkommens. Die Kassen dürfen die Beiträge nur noch erhöhen, wenn die Kranken selbst entsprechend draufzahlen, für ein Medikament nicht mehr sechs Mark, sondern schon bald sechzehn. Wer sich darüber ärgert, kann ja jetzt die Kasse wechseln.