BONN. - Die Generalversammlung der Uno hat am 10. September 1996 einen umfassenden nuklearen Teststopp (CTBT) beschlossen. Das Inkrafttreten des Abkommens scheitert bisher an Indien, auf dessen Zeichnung die Kernwaffenstaaten bestehen. Wird Delhi seine Haltung ändern? Was kann die internationale Staatengemeinschaft tun, um das Atomtestverbot zu retten?

Zunächst: Indien wird den Vertrag nicht unterzeichnen. Es gibt in der indischen Innenpolitik einen breiten Konsens für die Ablehnung des Abkommens. Die große Oppositionspartei, die hindu-nationalistische BJP, fordert sogar, daß sich Indien endlich offiziell zur Nuklearmacht erklärt. In der strategic community ist eine Tendenz erkennbar, innerhalb des nächsten Jahres mindestens einen Nukleartest durchzuführen (der erste und bisher einzige indische Atomversuch fand 1974 statt).

Die indische Regierung dementiert solche Testpläne, will sich gleichzeitig aber alle Optionen offen- und die Politik der "nuklearen Ungewißheit" aufrechterhalten.

Vier Gründe sind es vor allem, die Indien zu seiner entschiedenen Ablehnung veranlassen:

1. Indien sieht die Sicherheit seines Landes in einer multipolaren, durch Proliferation und Instabilität gekennzeichneten Welt letztendlich nicht durch Abrüstungsverträge, sondern nur durch Abschreckung gewährleistet.

2. Indiens eigentlicher Konkurrent, die Volksrepublik China, verfügt bereits über Nuklearwaffen. Indien ist stolz auf seine mehrtausendjährige Kultur, auf seine Größe (in Kürze eine Milliarde Menschen) und seine potentielle Kraft. Das Land will - wie China - Weltmacht sein. Deshalb glaubt es, hinsichtlich der Waffen nicht zweitrangig bleiben zu können.

3. In Delhi sieht man mit Sorge, daß China und Pakistan ihre offiziell friedliche nukleare Zusammenarbeit ausbauen und Peking Raketentechnologie an Islamabad liefert.