Zur Erinnerung: Palindrome sind Wörter, die vorwärts wie rückwärts gelesen gleich sind, Beispiele: Otto, Rentner. Spiegelwörter sind Wortpaare wie Emma und Amme oder: relativ vitaler.

"In der deutschen Sprache gibt es genügend Möglichkeiten für sinnvolle Palindrome, aber kaum Literatur", schrieb Hanno Kühnert in einer Würdigung von "Annasusanna", der bahnbrechenden Arbeit des deutschen Palindromforschers Hansgeorg Stengel ("Nur du, Gudrun", DIE ZEIT Nummer 27/1993). Seit "Annasusanna", 1984 in der DDR erschienen, vor Jahresfrist im Münchner List-Verlag unverändert wieder aufgelegt, hat sich viel ereignet in diesem Lande. Stengel hatte seinerzeit ganze zwei palindrome Ortsnamen angeführt: Staats und Woddow, beide in der DDR gelegen, und es sollte jetzt an der Zeit sein zu fragen: War es das, oder gibt es im vereinten Vaterland nicht sehr viel mehr davon?

In der Tat, letzteres trifft zu. Genau 31 palindrome Ortsnamen, bei über hundertneuntausend Einträgen, hat der Autor entdeckt, als er ein aktuelles Ortsnamenverzeichnis durchforstete, zugegebenermaßen mit Hilfe eines PC.

Natürlich tauchten hier auch wieder Staats und Woddow auf, aber Serres und Neppen, Mussum und Hallah machen ihnen jetzt Konkurrenz.

Ganz ohne Konsonanten kommen Aa, Aua und Eue aus. Stits hingegen ist sparsam mit Vokalen. Von strenger Schönheit und großer Einfachheit zeigt sich Kukuk.

Reher und Lehel, Lemmel und Lessel wirken benachbart, ohne es geographisch zu sein. Den Längenrekord hält Burggrub, das wir gleich fünfmal in diesem unseren Lande finden, Egge hingegen - wen wundert's - nur dreimal.

Rätselhaft kommen Reer, Saas und Zeez daher - Völkerwanderung, Lautverschiebung und Schreibfehler in alten Urkunden? Affa und Rur stellen uns vor neue Fragen.