Wenn Topmodelle wie Claudia Schiffer der Modewelt in Paris neue Kreationen vorführen, diskutieren die Besucher am Rande des Laufstegs vor allem eine Frage: Wird die Mode in der nächsten Saison kurz oder lang?

Mit einem ganz ähnlichen Problem müssen sich traditionell Anleger beschäftigen, denen zum Jahreswechsel ein Geldsegen aus fälligen Festgeldern, Sparbüchern oder festverzinslichen Wertpapieren ins Haus steht. Was davon nicht in Form von Geschenken unter dem Weihnachtsbaum landet, gilt es wieder anzulegen. Nur wie - kurzfristig oder langfristig? Die Angebote von Banken und Sparkassen sind kaum dazu angetan, Jubelstürme auszulösen.

Die Experten streiten sich derzeit über die Zinsentwicklung - auch wenn vieles für steigende Zinsen spricht. Die durchschnittliche Umlaufrendite öffentlicher Anleihen bewegt sich mit 5,25 Prozent bereits nahe ihrem historischen Tiefstand. Damit ist aller Erfahrung nach der Spielraum nach unten weitgehend ausgereizt. Doch wie wirkt sich die geplante Währungsunion für Anleger aus? Wer heute eine fünfjährige Anleihe kauft, kann davon ausgehen, daß er sein Geld in der Eurowährung zurückerhält. Doch niemand vermag derzeit zu sagen, was im Detail mit den umlaufenden Anleihen geschieht, wenn die Mark vom Kurszettel verschwindet. Thorsten Neufeld, Analyst bei der Deutsche Bank Research, rät daher nachhaltig davon ab, jetzt langlaufende Anleihen zu kaufen.

Die Emittenten hingegen versuchen genau solche Angebote loszuwerden.

Sie verschulden sich derzeit nach Neufelds Beobachtung so lange wie möglich. Dreißigjährige Laufzeiten, selbst von Schuldnern schlechterer Bonität, seien keine Seltenheit, resümiert der Analyst.

Für ihn sind das erste Anzeichen der Gefahr. "Wenn der Markt kippt, sind das die Papiere, die am stärksten fallen", warnt Neufeld.

In der Tat haben die Käufer langlaufender Anleihen ein Problem, wenn es mit den Zinsen wieder bergauf gehen sollte: Je länger die Restlaufzeit der Bonds, desto größer der Kursverlust. Anleger, die jedes Risiko ausschalten wollen, sind deshalb gut beraten, ihr Geld in liquiden Anlageformen wie Festgeldern, Geldmarktfonds oder täglich verfügbaren Konten zu parken, um erst einmal in Ruhe abzuwarten. Doch diese Sicherheit hat natürlich ihren Preis. Die Renditen einer zehn- und einer einjährigen Anlage liegen sehr weit auseinander: Auf dem jederzeit verfügbaren Extra-Konto der Allgemeinen Deutschen Direktbank beispielsweise gibt es derzeit 3 Prozent Zinsen. Der Kauf eines einjährigen Finanzierungsschatzes des Bundes bringt mit 3,1 Prozent nur unwesentlich mehr. Dagegen kommen fünfjährige Bundesobligationen derzeit auf rund 4,6 Prozent, und die Rendite einer Bundesanleihe mit einer Laufzeit von acht bis zehn Jahren überspringt mit Glück die 6-Prozent-Hürde - Kaufspesen noch nicht berücksichtigt.