Das Rheintal, seit Urzeiten als romantisches Ausflugsziel bekannt, hat viel von seinem Charme eingebüßt: Ein Gutachten attestiert mangelnden Service und überzogene Preise.

Von der oft besungenen Rheinromantik ist nicht mehr viel übrig.

Mittlerweile bestimmen verfehlte Verkehrsplanung, mangelnde Koordination der Gemeinden, fehlende Servicebereitschaft und überteuerte Preise in den Gaststätten das Bild. Zu diesem Schluß kommt zumindest ein Gutachten des Touristikprofessors Claus-Dieter Barg von der Universität Heilbronn. Barg hatte im Auftrag der Rhein-Zeitung und des Südwestfunks sechs Monate lang gemeinsam mit Studenten des Fachbereichs Tourismuswirtschaft zehn Rheingemeinden von Andernach bis Bad Hönningen untersucht und in etlichen Fällen "unglaubliche Zustände" ausgemacht.

Einer der wesentlichen Kritikpunkte der Studie sind die Öffnungszeiten der Fremdenverkehrsämter. Da sich diese an den Sprechzeiten der Verwaltung orientierten, blieben die Türen vieler touristischer Anlaufstellen bereits ab 16 Uhr verschlossen.

Die Mängelliste ist lang. Sie reicht von zu wenigen und verdreckten öffentlichen Toiletten über betonierte Promenaden und Innenstädte, die von Staus verstopft sind, bis zu oftmals veralteten Prospekten.

Beispiel Koblenz: "Das Material ist eher ein unprofessioneller Informationshaufen als eine Einladung in die Stadt", so Barg.

Auch an dem berühmtesten Ausflugsziel der Region, der Loreley, läßt das Gutachten kaum ein gutes Haar. Der Felsen lebe nur noch vom Mythos der Vergangenheit. Billiger Massentourismus mit all seinen Randerscheinungen wie dichtgedrängten Imbißbuden, blätternden Fassaden und überzogenen Preisen würden mittlerweile das Bild bestimmen.