Lieber Henry,

meine Gedanken gehen vierzig Jahre zurück: Es war 1955, als wir uns dank Hamilton Fish Armstrong, dem Chefredakteur von Foreign Affairs, in Harvard zum ersten Mal trafen. Du warst damals ein sehr junger Akademiker, der im Jahr zuvor seinen Doktor gemacht hatte.

Ich war fasziniert von Henrys brillantem Intellekt und seinem weltweiten politischen Interesse; darum wollte ich diese Bekanntschaft gerne aufrechterhalten. Ich bat ihn, mich wissen zu lassen, wenn er das nächste Mal nach Deutschland käme. Dies geschah sehr bald. Henry kam nach Bonn, und ich lud ihn dort zum Lunch in das damals beste Restaurant ein. Wir hatten ein köstliches Mahl, tranken viel und diskutierten ohne Ende.

Ich erinnere mich nicht recht an Einzelheiten, aber unvergeßlich ist mir seine Antwort auf meine Frage: "Was für ein Mensch ist eigentlich der so und so?" Henry: "Das ist einer, der alles weiß und sonst nichts."

Schließlich mußten wir aufbrechen, aber als ich meine Börse öffnete, erbleichte ich: Sie war leer. Henry bemerkte nur: "Den Trick werd' ich mir merken" und bezahlte die Rechnung.

Sein erstes Buch "The World Restored" erschien 1957. Ich erlebte seine erste Rede in Berlin - die Wallenberg-Lecture -, bei der er auf dieses Buch hinwies, wohl nicht ohne an den Verkauf in Deutschland zu denken.