Ljubow Andrejewna umarmt Wildgruber:

"Mein lieber, mein zärtlicher,

mein wunderschöner Garten!"

Dies ist die Geschichte von einem Schauspieler. Sie beginnt in der Schweiz in einer finsteren Gruft und endet auf einem Friedhof in Wien. Dazwischen ist der Schauspieler durch so viele Garderoben und Flughäfen gelaufen, daß er irgendwann die Kunst einfach ins Leben verlängerte und umgekehrt. Er hatte versucht, neun Menschen glaubhaft zu ermorden, und immer nur seine Zärtlichkeit für alles und für die Komödie gefunden und am Ende mit der ganzen Welt unter Kirschbäumen getanzt. Er hatte vor lauter Liebe fast seine Wohnung abgebrannt, ein Flugzeug beim Starten gestoppt und Rosen für einen toten Freund im Schnee einen Berg hochgetragen und dabei gefühlt, wie sein Herz auseinanderspringt. Die Geschichte von dem Schauspieler hätte als Tragödie enden können.

Der erste Tag. Ein Keller in der Schweiz. Ein unterirdisches Verlies in den Schächten des Theaters Komödie in Basel. Ein paar verstaubte Kulissen lehnen an der hinteren Wand. Davor stehen ein Baum mit einem Blatt und ein Schuh links in der Ecke und in der Mitte ein Stuhl. Sonst nichts. Plötzlich sagt Michael Schindhelm, der Theaterdirektor: "Herrlich! Setzen Sie sich doch auf den Stuhl! Lassen Sie doch das Ganze jetzt auf sich wirken!" Dann schließt er die Tür und geht einfach weg. Es ist nun noch viel finsterer. Kalk rieselt von der Decke herunter, und in der Ferne rauscht eine Straßenbahn.

Sonst nichts. Eine halbe Stunde später: Die Tür geht wieder auf, und der Theaterdirektor kommt zurück, mit ihm Herr von Düffel, sein Dramaturg. Beide stellen sich feierlich unter den Baum und werfen plötzlich gleichzeitig ihre Arme hoch, schütteln kurz die Hände in wilden Bewegungen durch die Luft undstreichen sie schnell durch das Haar und dann am Körper entlang zurück in die Höhe des Bauchnabels, wo sie gefaltet und wieder gleichzeitig zum Stillstand kommen. Dann sagt der Theaterdirektor zusammen mit seinem Damaturgen im Chor: "Wir sagen nur WILDGRUBER. WILDGRUBER. WILDGRUBER."

Wieso sagen sie denn jetzt immer nur WILDGRUBER?