Das Thema ist ebenso heikel wie geheimnisumwittert, und es bedarf wohl der Kompetenz und Integrität eines Autors wie Yehuda Bauer, Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem, um es umsichtig und unzweideutig zu behandeln: die Verhandlungen, die jüdische Repräsentanten mit den Nationalsozialisten führten, um die Juden dem deutschen Machtzugriff zu entreißen.

Der Autor schreibt, daß dieses Buch ein Ergebnis langwieriger Forschungen sei. Nicht nur weil es aus einer Fülle von Archiven Geschichte rekonstruiert, die bislang verborgen war, sondern weil es auch an Fragen rührt, die bis heute heftig diskutiert werden: Ist es vorstellbar, daß die Nationalsozialisten Geschäfte mit denen machten, denen sie zu gleicher Zeit nach dem Leben trachteten?

Bedeuten derartige Kontakte, daß die Entscheidung zum Massenmord keineswegs unabänderlich gewesen ist? Gab es eine Chance der Rettung? Andererseits: Durften Juden überhaupt mit ihren Mördern verhandeln?

Die Kontroverse über diese Fragen hat die israelische Gesellschaft seit jeher gespalten. Reszö Kasztner, der 1944 in Ungarn mit den Nationalsozialisten vergeblich über den Loskauf der ungarischen Juden von ihrem tödlichen Schicksal verhandelte, ging 1954 in Israel vor Gericht, weil er als korrupt verunglimpft worden war.

Das Verfahren jedoch wurde zu einem Tribunal gegen die regierenden Zionisten, die angeblich mit Nazideutschland kollaboriert hätten.

Das Urteil fiel im Prinzip zuungunsten Kasztners aus drei Jahre später wurde der faktisch Vogelfreie von einem Rechtsextremisten ermordet.

Schon 1933 traten diese Gegensätze zutage, als innerhalb der jüdischen Organisationen über einen ökonomischen Boykott Deutschlands diskutiert wurde, zur gleichen Zeit die Jewish Agency in Palästina aber mit dem Reichswirtschaftsministerium ein Kapitaltransferabkommen schloß, das die jüdische Auswanderung nach Palästina erleichterte und den deutschen Warenexport förderte. Deutsche Wirtschaftsinteressen sowie die Absicht der Nationalsozialisten, die Juden aus Deutschland "zu entfernen", wie es Hitler bereits 1919 formuliert hatte, auf der einen Seite und das zionistische Ziel, einen jüdischen Staat in Palästina zu errichten, auf der anderen Seite führten zum sogenannten Haavara-Abkommen, das im Prinzip bis zum Kriegsbeginn seine Gültigkeit behielt.