Friedrich-Wilhelm Marx bleibt hanseatisch gelassen. Zwar gebe es eine gewisse Unruhe im Haus, aber "es ist uns lieber, von einem Unternehmen gekauft zu werden, das unser Geschäft versteht, als von einem ausländischen Konzern", sagt der Betriebsratsvorsitzende des Kaffeerösters Eduscho. Das Bremer Traditionsunternehmen soll - vorausgesetzt, das Kartellamt gibt seinen Segen - im Januar beim Hamburger Erzrivalen Tchibo unterschlüpfen. Auf den ersten Blick eine ganz normale Transaktion: Rolf Schopf, ein Unternehmenspatriarch im Rentenalter, traut seinen Kindern die Unternehmensführung nicht zu, die Marke verliert an Boden, und der Betrieb schreibt seit zwei Jahren dicke Verluste.

Doch neben hausgemachten Managementfehlern, wie allzu zögerlichen Werbeinvestitionen in einem hart umkämpften Markt, liegt die Ursache für die Eduscho-Misere vor allem in der verrückten Branche. Kaffee ist in Deutschland zu billig. Bei 6,80 Mark lag der Durchschnittspreis für ein Pfund Röstkaffee in den vergangenen Monaten. Acht Mark müßten es nach Frieder Rotzoll, dem Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffee-Verbands, mindestens sein, damit auch Geld verdient wird.

Doch dieser Preis ist nur mit Spezialitäten wie "Privatkaffees" zu erzielen.

Grund für den kundenfreundlichen Dauertiefpreis: Die Aldi-Brüder und in ihrem Gefolge andere Discounter nutzen ihren Mokka als billiges Lockvogelangebot. Auch Melitta ging in den vergangenen Jahren mit aggressiven Kampfpreisen auf Marktanteilsjagd. Selbst Kraft Jacobs Suchard, mit rund dreißig Prozent die Nummer eins, muß den Marktanteil mit Discountpreisen verteidigen.

Schwierig wurde es für Tchibo und Eduscho auch, weil deren Hauptabsatzweg über Bäckereien und eigene Filialen teurer kommt als die Belieferung des Lebensmittelhandels. Zwar konnten beide durch den Verkauf von Non-food-Artikeln - vom Spargeltopf bis zum Perlenkollier - die mageren Bohnenpreise zum Teil kompensieren, doch auch hier hatte Eduscho in den vergangenen Jahren kein besonders glückliches Händchen. Die Fusion unter dem Dach der Tchibo Holding, unter dem die Hamburger Unternehmerfamilie Herz auch die Zigarettenfirma Reemtsma angesiedelt hat, macht daher Sinn. Die Tchibo-Chefs sicherten zu, das Bremer Traditionshaus als "eigenständige Einheit" zu führen, doch ohne Arbeitsplatzverluste wird das am Ende kaum abgehen.

Für den Verbraucher wird sich vorerst kaum etwas ändern. Auch mit einem addierten Marktanteil von gut 25 Prozent werden die hanseatischen Röster die Preise nicht diktieren können. Auf Dubletten bei Bratpfannen und Messersets kann der Konsument ohnehin leicht verzichten. Für überzeugte Eduscho-Fans, das schwören die Tchibo-Leute, werde es auch zukünftig keine Mogelpackungen geben: "Wo Eduscho draufsteht, wird auch in Zukunft Eduscho drin sein."