BERLIN. - Kai ist ein kleiner Junge. Der Weihnachtsmann klingelt nicht. Er klopft an die Wohnungstür. In Mietshäusern ist dafür Sorge zu tragen, daß unten die Haustür nicht abgeschlossen ist, wenn er kommt. Der Weihnachtsmann trägt keine Digitaluhr, weil der Weihnachtsmann etwas altmodisch ist, auch schon wegen der Lieder und Gedichte. Und er raucht nicht. Auch nicht mal schnell nach der Bescherung an der nächsten Straßenecke, weil es keinen guten Eindruck macht, wenn der Weihnachtsmann an der Ecke steht und hastig eine Zigarette raucht.

Er trägt keine Turnschuhe und keine Jeans, weil dann die Kinder rufen könnten: "Ey guck mal, die geilen ,Nikes`." Er trägt stabile schwarze Stiefel, manchmal auch DocMartens, und schwarze oder rote Beinkleider. Darüber eine rote Kutte, also eine Art Bademantel, mit einer Kordel zusammengeschnürt. Er hat einen Bart, und wenn er keinen hat, bindet er sich einen um. Der Bart ist grau. Oder silbern. Oder weiß. Der Weihnachtsmann benutzt auch Trockenshampoo.

In Hochhäusern benutzt er niemals den Aufzug, weil schon welche drin steckengeblieben sind. In Trabantenstädten, zwischen der Bescherung im dritten und der im siebten Stock.

Er ist sehr lebhaft, aber er hört nicht immer auf das, was seine Eltern sagen. Der Weihnachtsmann sitzt in Berlin, Stadtbezirk Charlottenburg, direkt hinterm S-Bahnhof Zoologischer Garten.

Hardenbergstraße 35. Erster Stock, neben der alten Mensa der Technischen Universität (TU). Neben Computer und Metallschrank stapeln sich Kisten. "25 Bärte", "Mäntel Größe 56". Der Computer stürzt öfter mal ab, wenn der Weihnachtsmann seine Heiligabend-Routen eingibt.

Am Schrank sind Karten angeklebt, auf die Eltern geschrieben haben, was der Weihnachtsmann Heiligabend ihren Kindern sagen soll.

Er ißt sein Essen nie richtig auf, und er mag auch nicht aufräumen.