Egal, wo Yoram Kaniuk, einer der wichtigsten Schriftsteller Israels, in diesen Tagen auftaucht, überall wird er auf seine jüngste Provokation angesprochen: ein Pamphlet mit dem Titel "Let's split", das er Ende November in der linksliberalen Zeitung Ha'aretz veröffentlicht hat. Darin heißt es: "Laßt uns eine Nation in Ashdod, Tel Aviv und Galiläa sein - ihr könnt das Heilige Volk in Judäa und Samaria bleiben denn es gibt keinen Weg, die Differenzen zwischen einer dogmatischen Religion und der Demokratie zu überbrücken."

Wir sitzen im Café "Diza" in Tel Aviv, und Yoram Kaniuk spielt auf das Alte Testament an, auf das salomonische Urteil. "Wenn man bei uns von der Teilung des Landes in Judäa und Israel spricht, dann läuten alle Alarmglocken das ist, als würde man jemandem sagen: Du bist ein Nazi!" Er macht keinen Hehl aus seiner Absicht: "Ich wollte provozieren, um zu sagen: Wir wollen nicht unter eurer Drohung leben, wir wollen nicht vor euren alten Gesetzen Angst haben."

Kaniuks Provokation hat die seit der Ermordung Rabins schwelende Diskussion um die Identität des Staates Israel neu entfacht. Seine beinahe schon verzweifelte Polemik richtet sich gegen die religiöse Orthodoxie, die mit ihrer Siedlungspolitik und Intoleranz gegenüber den nichtreligiösen Juden seiner Meinung nach sowohl den Frieden im Nahen Osten als auch den demokratischen Charakter Israels gefährdet.

Yoram Kaniuk, 1930 noch im damaligen Palästina geboren, sieht heute, stellvertretend für eine ganze Generation, für die der Zionismus auch eine Rebellion gegen das Ghetto der Vorfahren war, den säkularen Staat, seinen Lebenstraum, zum Scheitern verurteilt.

Für ihn wie für viele andere ist das eine nur schwer zu akzeptierende Realität. "Die Kombination von Religion und Nationalismus ist sehr gefährlich. Denn wenn das Land heilig ist, Rabin aber den Arabern einen Teil von diesem heiligen Land gibt, dann ist er ein Verräter und muß ermordet werden. Aber in einem kleinen Staat wie Israel, der seit seiner Gründung in einem permanenten Kriegszustand gelebt hat und jetzt Frieden will, müssen wir säkular und demokratisch sein."

Im Gegensatz zu einem anderen Teil der israelischen Linken hat Yoram Kaniuk den Zionismus niemals politisch in Frage gestellt.

Antisemitismus, der Holocaust, aber auch die Weigerung der Westmächte im Zweiten Weltkrieg, die verfolgten Juden bei sich aufzunehmen, haben für ihn den eigenen Staat als Überlebensgarantie notwendig gemacht. Aber Yoram Kaniuk hat auch nie geleugnet, daß Israel auf arabischem Boden gegründet wurde, auf einem Boden, von dem die Palästinenser vertrieben wurden. "Unrecht steht gegen Unrecht.