Ich mag grundsätzlich nicht gern zurückschaun in die weggelebte, alte Zeit, aber diesmal ist es ganz besonders grauslig und beklemmend. Und ich mag das nicht, was ich da sehe: eine Handvoll glänzender Gesichter im Spotlight, und über dem kaum erkennbaren Rest, der Mehrzahl der Menschen, verdunkelt sich der Lichtkegel zum Rand hin ins Schwarze. Ein seltsamer Film: Die Demokratie erscheint wie ein Kasino "Zum Kalten Herzen": Zutritt nur in Abendgarderobe und mit goldener credit card. Um das Roulette gierig coole Geschäftemacher und Interessenverbände. Sie vernetzen und globalisieren in einer Geschwindigkeit, daß die Kugeln glühn. Und Mann für Mann, Mensch für Mensch verschwinden sie hinter Monitoren in die Unterwelt des Internet. Aus der zweiten Reihe stiert stumm die Politik. Sie scheint paralysiert. So viele bedrohliche Worte: Wirtschaftsstandort, Lohnnebenkosten, fünf Millionen Dauerarbeitslose, leere Kassen. Und allmählich kriegt sie den Blues und summt hastig mit: globalisieren, vernetzen, zuerst der Euro, dann Europa, dann die ganze Welt. Und das Volk draußen drängelt sich um das Restlicht und kämmt sich fein, die im Schatten kriegen Angst und schlagen den, der noch ängstlicher aussieht, andere haben Hunger, kalte Füße und keine Kraft mehr.