Ein beharrlicher Ostfriese, ein findiger Holländer und eine rotgrüne Landesregierung - diesem bemerkenswerten Trio könnte es endlich gelingen, ein Fabelwesen an der Nordseeküste heimisch zu machen: die Krabbenpulmaschine.

Die Konstruktion dieses Apparates ist ähnlich anspruchsvoll wie der Versuch, ein künstliches Gehirn zu erschaffen. Potentiellen Existenzgründern sei daher vorab geraten, mit einer anderen Idee ihr Glück zu suchen.

Es ist schwierig, das feinfasrige Fleisch vom Panzer des zehnfüßigen Krebses zu lösen. Geübte Handpulerinnen schaffen pro Stunde gerade mal ein gutes Pfund des schmackhaften Krabbenfleisches. Unendlich schwierig ist es, die pulende Hand durch eine Maschine zu ersetzen. Gerfried Schwesig von der Firma Baader in Lübeck, die Maschinen für die Bearbeitung von Fischen herstellt, drückt es zurückhaltend aus: "Eine Krabbenschälmaschine zu bauen ist etwas für Überzeugungstäter." Ein Kenner der Szene, der ungenannt bleiben will, wird deutlicher: "Bei dem Versuch sind einige verrückt geworden."

Verbittert, so erzählt man sich an der Nordseeküste, starb 1977 der Dorumer Fischer und Seehundsjagdführer Walter Peuß. Der Pionier des deutschen Krabbenpulmaschinenbaus mußte erleben, daß die Zeit für die Idee des maschinellen Krabbenschälens nicht reif war. Was womöglich auch damit zusammenhing, daß die Konstruktion, an der er seit Ende der zwanziger Jahre gearbeitet hatte, noch nicht reif für ihre Aufgabe war.

Der Seniorchef der Lübecker Firma Baader wiederum - das weiß eine weitere Küstensage - soll auf dem Sterbebett seinen Kindern das Versprechen abgenommen haben, vom Thema Krabbenpulmaschine die Finger zu lassen. Dennoch, der Fortschritt war, wie es seine Art ist, nicht aufzuhalten.

Doch als Mitte der achtziger Jahre die ersten halbwegs leistungsfähigen Maschinen entwickelt wurden, fielen die Erneuerer an der Nordseeküste der Weltgeschichte zum Opfer: Polnische Werktätige erkämpften das Recht, für sehr wenig Geld sehr viele Krabben per Hand zu pulen. Dem Tüftler und Krabbenfischer Alwin Kocken, der in der Nähe von Cuxhaven lebt, brachte der Wind des Wandels deshalb statt des großen Geschäfts den großen Frust: Die Vorverträge über den Kauf von zehn seiner Pulmaschinen wurden Makulatur. Heute sind nur zwei seiner Modelle in Betrieb, eines davon beim Erfinder persönlich.

Unterdessen wurden die Krabben auf weite Reisen geschickt. Die Pfiffigkeit eines holländischen und eines marokkanischen Geschäftsmannes, moderne Tiefkühltechnik sowie vergleichsweise billiger Sprit erlauben es mittlerweile, daß der Hauptteil der Nordseekrabben in Afrika geschält wird. 5000 marokkanische Niedrigstlohnarbeiterinnen haben das Erbe der deutschen Heimpulerinnen angetreten. Wenn die Nordseegarnelen wieder bei uns landen, war die kühle Fracht mitunter Wochen unterwegs.