Ein kleines Wunder vollbrachte 1996 die Deutsche Telekom: Der Fernmelderiese mutierte vom meistbeschimpften Unternehmen im Lande zu einem Konzern, der weltweit reüssierte. Und das kam so:

Das Unglück geschah ausgerechnet in der Neujahrsnacht, als die neue Gebührenordnung der Telekom in Kraft trat. Einige Abrechnungscomputer, so stellte sich schnell heraus, hatten für den ersten Tag im neuen Jahr 1996 überhöhte Tarife berechnet. Kleinlaut mußten die Verantwortlichen einen Softwarefehler eingestehen. Schlimmer hätte es beim Start ins neue Jahr nicht kommen können. Schließlich war es genau jenes Jahr, in dem der Börsengang bevorstand.

Dann drehte die Telephongesellschaft richtig auf. Sie startete einen einzigartigen Werbefeldzug. Wer im Spätsommer durch deutsche Lande reiste, dem lauerten allerorten und zu jeder Tageszeit strahlende Menschen auf die Arme stets zu einem T-förmigen Gruß verrenkt.

Niemand konnte den Plakaten, Anzeigen, Fernsehspots und Manfred Krug entkommen. Die Marketing-Gurus feierten schließlich einen ihrer größten Erfolge: Die T-Aktie startete am 18. November unter großem Beifall der internationalen Finanzwelt durch. Millionen von Kunden sind jetzt auch Aktionäre. Leistet sich die Telekom in Zukunft einen ähnlichen Flop wie Anfang 1996, wird es selbst Anwalts Liebling wohl nicht mehr richten können.