Die einzige Straße, die aus Surinams Hauptstadt Paramaribo ins Landesinnere führt, versandet wenige Kilometer jenseits des Airports im Busch. Weiter geht es nur per Flugzeug. Die Cessna fliegt über eine Mondlandschaft von häßlichen Kratern und Halden: Bauxitminen.

An Fischfang ist dort unten nicht mehr zu denken. Wenig später glitzert das Borokopondo Stuwmeer unter der steilen Sonne, ein Stausee, doppelt so groß wie der Bodensee, den die Holländer 1965 angelegt haben, um Strom für die Bauxitminen zu produzieren. Südlich davon beginnt der tropische Regenwald: ein Brokkoliteppich, der nicht zu enden scheint.

Dort leben die bosnegers - "Buschneger" oder auch maroons. Die Nachkommen der im 18. und 19. Jahrhundert von den Zuckerrohrplantagen geflohenen afrikanischen Sklaven hausen, als wären sie am Kongo und nicht am Amazonas.

Die Schwarzen halten nicht einmal Hunde als Haustiere auch keine Hühner und Schweine. Sie glauben, wenn man mit Tieren zusammenlebt, dürfe man sie nicht töten. Von Jagd und Fischfang leben sie, am Dorfrand pflanzen sie ein wenig Zuckerrohr, Bananen und Maniok an. Zahlreiche Techniken haben sie von den Amazonas-Indianern gelernt - zum Beispiel die Bogenjagd.

Vor fünf Jahren tobte in diesem Idyll ein Buschkrieg mit den "Dschungelkommandos" der Maroons. Die holländische Drohung, die Wirtschaftshilfe einzustellen, beendete das Gemetzel und die Diktatur von Oberst Desi Bouterse.

Unter der Regierung der "Neuen Front", einem Bündnis von vier unterschiedlichen ethnischen Interessengruppen, kehrten wieder leidlich demokratische Verhältnisse ein.

Surinam ist nicht nur schwer auf der Landkarte zu finden, es ist noch viel schwerer zu fassen: ein Land, so groß wie Bayern, das zwar in Südamerika liegt, aber zur Karibik zählt. Bis vor zwanzig Jahren war es eine holländische Kolonie, dann wurde es in die Unabhängigkeit entlassen - und sofort begann der Kampf zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen, welche die holländische Kolonialherrschaft hierher verschleppt hatte: Afrikaner, indische Kontraktarbeiter, deren Nachkommen heute mit einem Drittel die relative Mehrheit der Bevölkerung von 400 000 Menschen stellen javanische Reisbauern, chinesische Krämer, libanesische Juweliere, dazu ein paar kreolische boeroes (Bau ern), die den Absprung zurück ins Mutterland nicht mehr rechtzeitig schafften.