Sie werden im Januar einige Unternehmen wegen ihrer Frauenfreundlichkeit prämieren. Warum?

ROER: Wir wollen, daß Unternehmen stolz darauf sind, etwas für Frauen - und damit letztlich für Frauen und Männer zu tun.

Was ist ein frauenfreundliches Unternehmen?

ROER: Entscheidend ist das Verhalten bei der Personalentwicklung, die Familienfreundlichkeit, aber auch das Marketing. Werden Frauen überhaupt eingestellt? Wie sieht die Förderung der Nachwuchskräfte aus? Häufig sagen sich die Personalchefs, daß Frauen spätestens während der Schwangerschaft ausfallen. Folglich geben sie weniger Geld für deren Weiterbildung aus - das ist übrigens wissenschaftlich nachgewiesen.

Sie haben Großunternehmen wie Bayer, Schering, Hoechst oder die Telekom prämiert. Keines dieser Unternehmen hat eine Frau im Vorstand.

ROER: Das stimmt, und das ist traurig genug. Von Chancengleichheit sind wir noch weit entfernt. Doch was nützt es, die Meßlatte so hoch zu legen? Wenn wir fordern würden, mindestens ein Prozent Frauen muß im Vorstand sein oder fünfzehn Prozent auf der zweiten Ebene - dann qualifiziert sich fast niemand. Deswegen sind wir einen anderen Weg gegangen: Unser Prädikat verlangt eine Selbstverpflichtung der Unternehmen, die alle zwei Jahre überprüft werden. Wir wollen etwas in Gang bringen, nicht Mißstände konstatieren.

Ist das der neue Trend: Weiche Label weil sich die Quote nicht durchsetzen läßt?