Märchenhafte Finanzgeschäfte, von denen Finanzminister Theo Waigel nur träumen kann, macht die Globalisierung möglich. Nun kann er vom Chef der Bonner Stadtwerke, Reiner Schreiber, lernen, wie man einen Haushalt saniert. Zusammen mit der WestLB und einem US-Trust der Bank of New York haben die Stadtwerke ein Vermietungskarussell in Gang gesetzt, bei dem Bonn Gewinner ist. Das geht so: Die Stadtwerke vermieten 38 Stadtbahnwagen an die WestLB und bekommen dafür 101,5 Millionen Dollar. Die WestLB vermietet die Wagen weiter an den US-Trust, der die Bahnen wiederum an die WestLB zurückvermietet, die dann die gemieteten Wagen ihrerseits wieder an die Bonner verchartert, und zwar zu einem Preis, der für die Bonner um neun bis zwölf Millionen Dollar unter dem Betrag liegt, zu dem sie ihre Bahn zuvor an die Bank vermietet hatten. Kein Wunder, daß Stadtwerkechef Schreiber von einem "märchenhaften Modell" schwärmt, das das erstaunte Publikum wie ein verfrühter Aprilscherz anmutet.

Doch der rotgrüne Rat der Stadt Bonn hat das auf 27 Jahre befristete Mietgeschäft vor wenigen Tagen abgesegnet. Wer nun meint, der Millionendeal sei eine besondere Form der Geldwäsche, der irrt.

Die wundersame Geldschöpfung ist nämlich nur aufgrund amerikanischer Steuervergünstigungen möglich, die der US-Trust nutzt. Letztlich zahlt also der amerikanische Steuerzahler die Differenz, die in Bonn gespart wird.

Die nachgerade phantastischen Möglichkeiten, eigene Geldnöte auf ausländische Steuerzahler abzuwälzen, könnte auch dem einen oder anderen Minister in der Bundesregierung über die Runden helfen.

Verkehrsminister Matthias Wissmann wäre gut beraten gewesen, die amerikanischen Steuerzahler anzuzapfen, statt seine ICE-Neubaustrecke München-Ingolstadt-Nürnberg von privaten Geldgebern zu Lasten der heimischen Bürger teuer vorfinanzieren zu lassen. Ein weiterer Kandidat wäre Verteidigungsminister Volker Rühe, der so knapp bei Kasse ist, daß er zum Kummer der Wehrbeauftragten Claire Marienfeld seine Soldaten schon nicht mehr ausreichend üben lassen kann.

Wegen Ersatzteilmangels sind Waffen und Geräte nur noch zu sechzig bis siebzig Prozent einsatzfähig. Warum nicht gleich die ganze Bundeswehr an den US-Trust teuer vermieten, um sie dann billiger bei der WestLB zu chartern? Allerdings müßte Rühe sich beeilen.

Wie man hört, will die US-Regierung nämlich das Mietkarussell für Ausländer sperren. Besser wäre dann schon, wenn Rühe das Sparpotential im eigenen Haus nutzte und sich der Instrumente bediente, die der frühere Brigadegeneral Johannes Gerber, Mitbegründer der deutschen Betriebswirtschaftslehre der Streitkräfte, entwickelt hat. Gerber ist allerdings auch so ein Fall, über den man sagen muß, daß der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Um so erfolgreicher wird seine Lehre im Ausland befolgt, wie die kürzlich erschienene Gerber-Monographie des polnischen Hochschullehrers und Obersten a.D. Waclaw Stankiewicz belegt. Die Schrift ist eine späte Würdigung Gerbers als Pionier und Hauptschöpfer des deutschen militärökonomischen Denkens.