Deutschland raucht weiter. Auch 1996 wollte das Thema Tabak nicht zünden. 137 Abgeordnete brachten einen Entwurf für ein Nichtraucherschutzgesetz ein, aber die Resonanz in der Öffentlichkeit blieb so schwach wie die Aussicht der Parlamentarier, im kommenden Jahr eine Mehrheit zu organisieren. Warum sind die Deutschen so? Einen Mangel an Risikobewußtsein wird man ihnen nicht nachsagen wollen, ebensowenig prinzipielles Unbehagen vor gesetzlichen Regulierungen.

Ganz anders: Amerika. Kaum ein anderes Thema setzte im Jahr der Präsidentschaftswahlen solche Leidenschaften frei. Obwohl das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und am Arbeitsplatz, mancherorts sogar in Restaurants seit langem verboten ist, strebt die Lust am Kujonieren immer neuen Höhen zu. In der Antiraucherkampagne, auf die Clintons Demokraten erfolgreich aufsprangen, wurden Raucher zu "Terroristen" und Tabakhersteller zu "Massenmördern". Amerika führte vor, was passiert, wenn Rauchen zum Politikum wird: Auf dem Parteitag der Demokraten in Chicago ließ Vizepräsident Al Gore die Delegierten am Lungenkrebstod seiner Schwester teilhaben.

Mit brüchiger Stimme erzählte er von den Stunden am Sterbebett - und in den Fernsehkameras glitzerten die Tränen des Publikums.

Wer weiß, wie Deutschland wäre, würde es nicht weiterrauchen.