Herr Dr. Ernst B. leitet eine chirurgische Praxis in Hamburg Altona.

Heute steht der 41jährige Mediziner aber nicht in seinem Operationsraum, sondern vor dem Amtsgericht. Er soll eine Patientin verletzt haben.

Jahrelang verspürte Frau H., eine gelernte Verkäuferin, Taubheit und Kribbeln in der linken Hand, mit Ruhigstellen und Medikamenten allein ließen sich die Schmerzen nicht bekämpfen. Als die Pein unerträglich wurde, wurde im Dezember 1994 einvernehmlich ein Termin für eine ambulante Operation festgelegt.

Ein Routineeingriff von 35 Minuten sollte es werden, doch der Chirurg schnitt der Frau die falsche Hand auf. Eine "Verkettung unglücklicher Umstände", sagt Dr. B. über sein Mißgeschick, "fahrlässige Körperverletzung", befindet die Staatsanwältin.

Frau H., eine brünette, energische Mittdreißigerin, ist über das Mißgeschick ihres Arztes natürlich nicht erfreut zumal sie, von der Narkose schon "leicht weggedämmert", noch bemerkt haben will, wie ihr die Narkoseärztin Dr. M. den falschen Arm rasierte: "Ich sag' noch zu der Frau, daß ihr mir hier nicht an der falschen Hand rumschnippelt." Die Einwände der Patientin wurden nicht erhört und die gesunde Hand auf dem Beistelltisch fixiert. "Tja, und dann hab' ich Frau H., so wie sie nun dalag, operiert", gibt Dr.

B., ein großer, ein wenig ungelenk wirkender Mann, zu.

Zur Kontrolle schaue er immer auf die große Tafel im OP, auf der alle Eingriffe des Tages verzeichnet sind, erklärt der Mediziner.