Bei der Geiselnahme in Lima zeigten am vorigen Wochenende sowohl Präsident Fujimori als auch die Guerilla der Túpac Amaru Verhandlungsbereitschaft.

Die Botschaftsbesetzung, argumentiert César Rodriguez Rabanal, Psychoanalytiker und Vorsitzender der Oppositionsbewegung Demokratisches Forum, sollte für Fujimori Lehre genug sein, endlich das Gespräch mit den Bürgerbewegungen zu suchen.

DIE ZEIT: Bisher hieß es, die Guerilla der Revolutionären Bewegung Túpac Amaru (MRTA) sei seit der Inhaftierung ihres Führers Victor Polay zerschlagen. War das ein Irrtum?

César Rodriguez Rabanal: Man darf den spektakulären Erfolg der Botschaftsbesetzung - der auch ein Presse-Erfolg ist - nicht mit Stärke verwechseln. Ich meine, daß es sich bei den Geiselnehmern um ein Selbstmordkommando handelt, die letzte Karte der MRTA.

Néstor Cerpa Cartolini, der Anführer der Geiselnehmer, ist der einzige MRTA-Führer, der noch nicht im Gefängnis saß. Sein Kommando besteht aus Siebzehn- bis Zwanzigjährigen, die alle mit einem Urwaldakzent aus dem Huállaga-Tal sprechen, der letzten Zuflucht der MRTA. Ihre Drohung, im Falle eines Sturms auf die Botschaft stünden weitere Kommandos zum Gegenschlag bereit, halte ich für sehr unglaubwürdig.

ZEIT: Wie groß ist der Rückhalt der MRTA im Volk?

Rodriguez Rabanal: Er war nie groß, und er ist es auch jetzt nicht.