Nach sechzehn Jahren Gewalt in Peru identifiziert sich kaum noch jemand mit den Zielen und vor allem den gewalttätigen Methoden der Terroristen.

ZEIT: Die MRTA hat sich seit jeher von der maoistischen Terrorgruppe Sendero Luminoso distanziert und ihr soziales Engagement betont.

Auch die Geiselnehmer fordern neben der Befreiung ihrer gefangenen Genossen ein sozial gerechteres Wirtschaftssystem. Pure Heuchelei?

Rodriguez Rabanal: Jein. Die MRTA ist eine gewalttätige politische Organisation, und sie hat, wie viele lateinamerikanische Guerillagruppen, auch Kontakte zu Kriminellen. Und natürlich hat für sie die Freilassung ihrer Leute erste Priorität. Aber man kann ihnen nicht absprechen, daß sie politische Ideale und Ziele haben - wenn auch ziemlich unrealistische.

ZEIT: Unter Präsident Fujimori wuchs die Wirtschaft, und die Inflation wurde gebändigt. Aber die Arbeitslosigkeit und die Armut der breiten Bevölkerung werden immer größer. Ist die Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit nicht begründet?

Rodriguez Rabanal: Doch. Aber eine Aktion wie die Botschaftsbesetzung schadet diesem Ziel. Sie hat hierzulande eine Sympathisantendebatte entfacht, wie die Deutschen sie aus den siebziger Jahren nur zu gut kennen. Die Folge: Alle fortschrittlichen Kräfte des Landes werden jetzt in die MRTA-Ecke gedrückt. Um die Probleme Perus anzupacken, ist aber eine lange und geduldige Arbeit notwendig.

Es gibt keine Zauberformel.