ZEIT: Wer trägt die Schuld an der gegenwärtigen Situation des Landes?

Rodriguez Rabanal: Wir Peruaner geben gerne anderen - der Weltbank, Japan - die Schuld für das, was in unserem Land geschieht. Tatsache ist aber, daß wir unsere Reformhoffnungen immer wieder auf irgendwelche vermeintlichen Retter - Caudillos - gesetzt haben. Kein Wunder, daß wir stets zwischen der Vergötterung und der Dämonisierung unserer Führer schwanken: Fujimoris Vorgänger Alan Garcia war erst der Größte, inzwischen wird er für alle Übel Perus verantwortlich gemacht. Auch Fujimoris Popularität ist rapide gesunken. In dem Maße, wie die Hoffnungen der Peruaner auf Arbeit und bessere Lebensumstände enttäuscht wurden, reagieren sie auch empfindlicher auf seinen autoritären und rücksichtslosen Regierungsstil.

Wohlgemerkt: Fujimori hat schwache Institutionen vorgefunden, als er an die Macht kam. Aber er hat alles getan, um sie weiter zu schwächen - am liebsten regiert er allein mit seinen Vertrauten.

Auch in dieser Krise hat er zu keinem Augenblick die Opposition oder die Bürgerbewegungen bei den Beratungen hinzugezogen. Aber wenn jemand für all dies Verantwortung trägt, dann sind es die Peruaner selbst: Wir begreifen uns immer noch nicht als Subjekte unserer eigenen Geschichte.

ZEIT: Wie ist jetzt eine friedliche Lösung der Krise möglich?

Rodriguez Rabanal: Zunächst kann man froh sein, daß - entgegen Fujimoris Ankündigungen - nun doch verhandelt wird. Denn das heißt, daß die Verfechter einer militärischen Lösung sich nicht durchgesetzt haben. Das hätte ein Massaker gegeben. Vermutlich werden beide Seiten jetzt von ihren Maximalforderungen absehen.

ZEIT: Nach der Freilassung zwanzig weiterer Geiseln am Samstag veröffentlichten die Besetzer ein Communiqué, in dem nur noch von Haftverbesserungen für die MRTA-Gefangenen die Rede ist. Haben Sie die Forderung nach Entlassung damit fallengelassen?